Full text: Geburtenrückgang u. Sozialreform

22 Hige, Geburtenrücdgang Und Sozigireformn 
ber Teuerung ujw., unter denen namentlich die Enderreichen Fanrilien, 
in denen der Vater allein verdient, anı Annerzlihjten Heimgehicht find. 
Die Kolten der Lebenshaltung find überhaupt jetig und jtart geftiegen, 
wiederum in erfter Linie zu Lajten der Hnderreidhen Familien. Indirekte 
Steuern und Zölle find gewiß unvermeidbar und kommen anderieits 
auch wieder in Höherm Berdienft zum Ausdruc, aber diefer Kommt Ledigen 
wie Verheirateten in gleider Weije zugute, während die hHöheru Lajten vor 
allent den Familienvater treffen. Mit jedem X opfmehr jteigen 
diefe Laften, vährenddas Eintommennidgdtmitjeigt. 
Dies gilt insbefondere vom Lohnarbeiterfiand. Während das Einkommen 
;. B. des Handwerfers mit den Jahren — vom Lehrling zum Sejfellen 
und zum Meijter und dann auch weiter mit der wachlenden Tüchtigkeit — 
ietig jteigt, {t e8 geradezu ein Verhängnis im Leben des modernen Lohn- 
xrbeiter8, daß er in der Jugend zwar reichlid verdient, mit dem 18. bis 20 
Yahre aber fhon meiftens den Höhepunkt feines Lohneinfommens erreich! 
jat. Nur wenigen gelingt eS, durch Erringung einer Stellung alz Meilter 
Obernieifter oder fonitwie 200 ihr Einkomnien zu verbeflern. Durch be- 
ijondere Leiftungen, Überftunden ulm. das Einkommen zu erhöhen, findet 
aı der Forderung der GefundhHeit und Lebenskraft jeine Grenze, wird aber 
auch durch Tarifverträge uw. eingefOränkt. Oft genug fällt noch der 
Witverdienft der Frau bei dem zweiten oder dritten Rinde weg, da Die 
abritbejhäftigung fiH nicht mehr lohnt oder infolge der Überlaftung 
unmöglich wird. Schulzwang und KinderiHubgejebe jtehen aud) dem 
Mitverdienen der Kinder entgegen, fo daß dem Vater die ganze Saft allein 
zufällt. So ift auch heute trog aller Sozialpolitik die Hauptfchmwierig 
feit der Arbeiterfrage nod nidht gelöft: Wie helfen 
wir dem Arbeiter über die Jahre hinweg, in denen 
sie Rinder Jid mehren und anwadljen, die Unter 
hHaltungskojten {jteigen, während das Eintommen 
Gleibt oder vielleidt jJogar infolge des Nuszfalles 
des Mitverdienftes der Frau Fällt? Jeder, der in fokHe 
Arbeiterfamilien fommt, in denen 4, 5, 6 und mehr Kinder mit Nahrung, 
Meidung, Wälche, Schulbüchern ufw. zu verjehen find, in denen immer wieder 
auch Koften für Krankheiten, Wodhenbett, Sterbefälle und fonftige außer: 
rdentlidhe Ausgaben fällig werden, für erweiterte Wohnräume, Betten ujtv 
zeforgt merden muß, weiß, wie die Not und Sorge dort {tet Wache Halten 
Kommen da außerordentliche Schiejalsichläge: fhwere, längere Kran fheiter, 
de8 Mannes, der Frau, der Kinder, Zeiten der Arbeitsloligkeit, Verlagung 
der Kraft der Mutter uftv., dann find Not und bitteres Elend unaus- 
oleiblich. Das ijt oft ein heroifdhes Kingen von Bater und Mutter, um durch- 
ufomnmen — auch ein Geldentum, das unfere Anerkennung und Sewun- 
heruna und unfere innerite Teilnahne verdient. Und wenn wir iebt Die
	        
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