24 Hite, Geburtenrüdgang und Sozialrejorm
wodie Kinderanwmadfenundmehr brauchen, abjolut
nidtausreidend. Soil es begreiflich, daß, trogdem hier die defiruk-
tiven Tendenzen noch weniger Eingang gefunden haben, der Geburtenrücd-
zang doch fchon früher und ftärker eingejeßt Hat als inı Freien Arbeiterftand.
Diejelben Berhältnijle bejtehen mehr oder weniger auch für die mittlern
und höhern Beamten (Jiehe unten: Reforın der Beantenbejoldung). Die
Rrivatbeamten entbehren zwar des Vorzugs fejter Anftellung, aber Heiß
and Lüchtigkeit kommen mehr zur Geltung und fichern auch ein höheres
Einfonmen. Dasjelbe gilt für Heine Kaufleute und Handwerker.
Am günftigiten jtellen fi die Verhältnifie auf dem platten ande.
Hier it immer nod Kaum und Nahrung für ein Kind niehr; hier Können
auch Idhon die [Hulpflichtigen Knaben und Mädchen fich nüblich in eiqner
und fremder Wirtichaft betätigen. Hier betrachten die Eltern die Kinder
noch al8 Gnadengefhenfe Gottes, die Nie mit Gottvertrauen und Freude ent-
gegennehmen, und die, Früh an Arbeit und Einfachheit gewöhnt, phyfilch
und Kttlih gefund, leicht und bald ihr Brot finden und es mit den Eltern
"reudia teilen.
F. Geiteigerte Bedürfnijje und Lebensanjpräüche. — Erjirebung einer
Hhühern Lebensftellung für die Kinder
Einkommen und Lebenshaltung jind relative Größen. Was für eine
Seneration Wohljtaud und Kulturhöhe bedeutet, gilt der nachfolgenden
118 Lebensnotdurft und Unterhultur. Mit dem Einkommen eigen
au die Bedürfniffe und LebdensanfiprüHhe. Nidht bloß
das Notwendige, fondern ein gewijjer Lebenskomfort in Nahrung, Kleidung,
Wohnung, in gefellfhaftliden Verkehr wird verlangt. E83 Kann fich um
Aniprüche und Bedürfnijie Handeln, die an fichH durchaus berechtigt [ind
und aud) der innern Bereicherung und Veredlung des Familienleben
wie der Berfönlichteit dienen; öfter aber gehen fie auch über dieljes Map
ber Berechtigung hinaus, ent}prechen mehr dem äußern Schein als der inneru
Wahrheit und entfremden dem wahren Lebensglüc mehr, als Daß fie hu:
„äher führen. SFedenfalls find LebenSHaltung und Wohljtand als May
and Bedingung des Lebensglüde8 je nad) Zeit, Lebensgewohnheiten und
Standesfitten jehr verjdhieden. Zudem wird mit der Höhern Kultur und
Bildung, mit dem gejteigerten Kampf ums Dafein die Lühle Bere dh
nung und au das Gefühl der Verantwortung: wie wirken Chefchließung
und Kinderzumwachs auf die Gejtaltung deiner Lebenzverhältnifle und die
Zufunft deiner Kinder, Jich jtärker geltend madhen. So ijt e5 verftändlich,
daß mit dem jteigenden Wohljtand und der hHöhern gejelichaftliden Stel-
kung die Neigung zur Chefchließung und die Freude am Kinderreichhum
nicht zunimmt, Jondern eher Jich mindert. Den entfpricht die ftatiftirch feft-
aeitell’e Tatiache, dark der Gehurtenrüchgang zuerit bei den Belikender