C. Gründe des Geburtenrüdganges 29
iteigender BZinsfuß, mangelndes Kapitalangebot, fehlende Arbeitskräfte
‚waren nicht geeignet, Vertrauen und Anfporn zum Bau neuer Wohnungen
zu bieten. Mit dem Zurücfluten der Manufdhaft aus dem Felde wird
jedoch die Notgroß werden. Mit Rückehr des Mannes wird in
den zahlreihen Fällen, wo die Frau zur Erjparnis der Miete und der
Saushaltungsfojten mit den Eltern oder fonftigen Verwandten während
der Kriegszeit zufjammenwohnte, der jelbjtändige Haushalt wieder auf-
genommen. Manche Familien werden wegen Tod oder mindern Einkoni-
mens des Mannes gezwungen fein, fih mit einer Neinern Wohnung zu
begnügen. Neue Familien („Kriegstrauungen“) find und werden ge-
gründet. So wird namentlich die Nachfrage nach Kleintwohnungen feige
ımd das Angebot bald überholen.
Mit der Wohnungsnot parallel geht die Dienftbotennot. Bor
dem Kriege beftand ein Mangel an Dienftboten, und jo war e8 bei reicher
Rinderichar oft jehr fchwer, überhaupt Dienjtboten zu erhalten. Sünftiger
itehen die Familien, die mehrere Dienftboten in Teilung der Dienite für
Rinderpflege, Küche, Wälche 11m. einftellen fönnen. Am JHlimmiten find
bie Frauen geltellt, die felbjt nicht voll leiftungsfähig ind und auch nicht
die Mittel befiken, durch höbern Lohn eine vollgültige dienftlidhe Hilfe
zu gewinnen. Sobald nach Einkehr des Friedens die Nachfrage nach
Arbeitern wieder fteiaen wird, wird auch die Dienitbotennot wieder
machten.
Endlidh find es oft auch die Urhbeitsbedingungen, die der
Eheichließung und SGeburtenvermehrung entgegenftehen. So befteht
namentlid inı Handwerk noch vielfach die Sitte, daß der Sefelle beim
Meilter Wohnung und Kojt erhält, mährend der bare Verdienit nur gering
it und für die Unterhaltung einer Familie nicht ausreicht. In manden
Handwerksbetrieben it auch die {tete Anwefjenheit und Bereitjdhaft des
Sehilfen in Haufe des Arbeitgebers für Borarbeiten, für GHilfsdienjte
beim Verkauf ujw. befonderS ermünfcht, 3. B. in Bäckereien und Kondi-
:oreien, Meggereien, Gärtnereien.
(& ift befannt und bei den Erhebungen des Beirats für Arbeitsitatijtif über die
Arbeitszeit in Bücdereien au zahlenmäßig feitgeltellt, daß e& wenig ältere Väder-
gefellen gibt. Die Gehilfen in den Mädereien, in denen der Keinbetrieb noch weit
vorherricht, find eben geztvungen, wenn fie Heiraten wollen und es nicht zur Selb:
tändigteit gebracht Haben, in andere BefghHäftigungen überzugehen. So finden fıe
vielfach als Kutfher und Schaffner bei den Straßenbahnen Stellung. Bezüglich
der Brivatgärtnereien murde gelegentlich einer Erhebung in Preußen (1906) feiltaeltellt,
da 68 Brozent der Gehilfen im Wohnzwang bei den Arbeitgebern (tanden
Ähnlich liegen die Verhältnijfe in der Landwirtfhaft, namentlich bei
fleinbäuerlichen Betrieben, daß Falt nur unverheiratete Anechte oder jüngere
Soziale Rrar:8” 1916, Nr. 44