Full text: Geburtenrückgang u. Sozialreform

D. Betämpfung des Geburtenrüdganges 1 
Was uns in Friedenszeit nicht einleuchten wollte, das haben ung die 
Rriegsjahre zum BVerftändnis gebracht. In bemerfenswerter Überein- 
itimmung von Regierung und VBolksvertretung jind die neuen Krieg5- 
Geihilfen im Reich wie in Preußen nach Zahl der Kinder (unter 15 
bzw. 18 Sahren) bemejfen worden. 
Zunächit wurden nur in beidränkten SGehaltsgrenzen Zufchüffe gewährt; bet: 
2 Rindern je 6 AK, für die weitern Kinder je 3 M, alfo degreffiv, während doch eiw 
Familienvater eher 2 Kinder mit 12 K Zulage durchreifen kann, al8 etwa S Kinder 
mit 30 .%. Abgefchen davon, daß die Progreifion je nach Kinderzahl fehlte, war 
auch die GehHaltsgrenze ohne Berücfichtigung der Kinderzahl jeftgefeßt. Nın 
aber bebarf ein Vater mit etwa 6 Kindern und 5000 A Einkommen dringender der 
Veihilfe, als ein Hnderlofer Beamter mit 4000 MA Einfommen. Bom 1. April 1917 ab 
jinb die Zulagen bevölferungs politi[d richtiger bemeffen. Je nach Gruppen (Gruppe | 
pi3 2300 .%, IT 2300—4800 6, III 4800—7800 6) werden monatlidH gewährt an 
Unverh. Verh. ohne X. mit1®. mit 28. mit 3 Rindern 
Li. ÖOruppe 10 15 27 40 54 
Il. 12 28 85 48 
HL ” — 10 21 28 
al. Für jedes folgende Kind progreffiw 1 ‚A mebhr, alfo z.B. in Oruppe I bei 4 Kinderır 
54 +15) = 69, bei 5 Kindern (69 + 16) = 85 A.) 
Der Leitgedanke der Kriegshilfe nıuß möglichit bald in unjere ganze 
Bejoldungsgefebgebung übertragen werben, und zwar im Reich und im 
den Einzelftaaten wie in den Gemeinden und Seloftverwaltungskörper- 
ichaften. Lestere find übrigens fHon in der Friedenszeit vielfach mit 
gutem Beijpiel vorangegangen, 3. 3. Clerfeld, Frankfurt am Main, 
Cottbus, Hagen. Auch im Ausland, 3. B. in der Schweiz, in Ungarn, 
Holland und Frankreich, find jolche Kinderzulagen eingeführt.?) 
Die heflifghe Landesfynode hat den Geiftlidhen Jür jedes Kind bis zum 25. Jahre 
125 Erziehungsgeld bewilligt. Die bayerijche - Verfkehrsvermwaltung will eine 
Rinderzulageverfidherung in der Weile fOafien, daß eine Zwangs- 
verfidherung für alle Staatsbeamten und „arbeiter eingerichtet wird. Die finanzielle 
Frundlage foll nach dem Kriege der Betrag bilden, ben die bayerijdhe Verkehrsbver: 
maltung jebt al8 Kriegsteuerungszulage in Hühe von 5 Millionen jährlich gewährt 
Bunächft follen bei den in Frage ommenden 80 000 Rerfonen der bayerifhen Ver- 
fehrsverwaltung genaue ftatiftijde Umfragen vbargenommen werden. 6 find ver: 
jhiedene Leiftungen vorgefehen, und zwar a) 200 MK jährlich für ein Kind bis zum 
vollendeten 18. Lebensjahre bei den höhern Beamten, b) 150 .% desgleichen bei den 
mittlern und c) 100 A ebenfo bei den untern Beamten, Die Seiftung foll zu a von 
der Geburt des dritten Kindes ab für jedes vorhandene Kind, zu b vom vierten Rinde 
ab für jede8 vorhandene Kind und zu c vom dritten Sinde ab für diefes und jedes 
Iolgenbe Kind gewährt werden. Un Beiträgen follen die Verficherten jährlich aufbringen 
zur 269.39 A, zu b 25,57 M, zu c2.71 4 für je eine Berfon.®) € find eingehenbhe 
1) Val. Teuerungszulagen und Bevölferungspolitik, Sin Wort für unfere darbender: 
Beamtenkinder. Berlin 1917, Breufijhe Verlagsanftalt. 
2) Bol. Dr. Höfe in der „Köln, Volkatg.“ 1916. dir. 204. 
3) Dahn, Sozialpolitit 457
	        
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