Full text : Lohnpolitik

lieber  oder  erwachfener  Arbeiter,  die  verfchiedene  Bezahlung ­
  von  Männern  und  Frauen,  über  die  den  Bergleuten
einzuräumende  Vorzugsstellung,  über  das  Verhältnis  von
Akkordlohn-Arbeit  zu  Zeitlohn-Arbeit  und  ähnliche  bedeutsame ­
  Fragen  mehr  zu  denken.
d)  Schließlich  ift  zu  beachten,  daß  die  Lohnpolitik  nur
einen  Teil  der  allgemeinen  Preispolitik  bildet,  da  die  Löhne
auf  die  Dauer  nicht  über  die  volkswirtschaftliche  Leistungsfähigkeit ­
  der  einzelnen  Induftrien  hinausgehen  können.  Jede
Übcrfchreitung  der  hierdurch  bedingten  Grenzen  würde  eine
AbSatzftockung  und  damit  Arbeitslosigkeit  und  Erwerbslosigkeit ­
  zur  Folge  haben.  Es  gehört  deshalb  in  den  Rahmen
der  Lohnpolitik  auch  eine  zuverläffige  Export-Verbrauchsund
  PreisftatiStik,  die  über  die  AbSatzverhältniffe  aufklärt.
Auch  auf  die{em  Gebiete  wird  Seitens  der  ftatiftiSchen  Behörden ­
  alles  mögliche  getan.
2.  Der  Staat  muß  die  Formen  regeln,  in  der  die  gefamten
Grundlagen  verwertet  werden,  d.  h.  in  denen  die  Löhne
Seitens  der  beteiligtenKreiSc  tatfächlich  feftgefetzt  werden.
Hierher  gehört  vor  allem  die  Schaffung  eines  praktisch  brauchbaren ­
  T  a  r  i  f  v  e  rt  r  a  g  s  r  e  ch  t  s,  das  zurzeit  im  Reichs.
arbeitsminiSterium  in  Arbeit  ift.  Während  die  Gefetzgebung
vor  der  Revolution  den  Begriff  des  Tarifvertrags  lediglich
einmal,  nämlich  in  dem  Kaligefctz  vom  25.  Mai  1910  erwähnt ­
  hatte,  ift  fchon  wenige  Tage  nach  der  Staatsumwäzung
  in  der  Verordnung  vom  23.  Dezember  1918  eine
gewiffe  gefetzliche  Grundlage  gefchaffen  worden.  In  der
Verordnung  ift  cinerfcits  die  Frage  der  Unabdingbarkeit,
anderfeits  die  Ausdehnung  der  Verbindlichkeit  auf  die  nicht
den  vertragschließenden  Verbänden  angehörenden  Arbeitgeber
und  Arbeitnehmer  geregelt.  Andere  Fragen,  insbefondere  die
der  Haftung,  bedürfen  noch  ihrer  gefetzgeberifchen  Löfung,
die  deshalb  befonders  Schwierig  ift,  weil  ein  den  neuzeitlichen
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