Full text : Lohnpolitik

U nter  den  vielen  Schwierigen  Problemen  der  Gegenwart
fpielt  die  Lohnfragc  eine  beträchtliche  Rolle.  Die  Art
ihrer  Löfung  beeinflußt  den  Gang  der  Wirtschaft  im  Innern  und
wirkt  mitbeftimmend  auf  die  Stellung  Deutfchlands  auf  dem
Weltmarkt.  Von  der  Geftaltung  und  Behandlung  der  Lohnfragc ­
  hängt  die  foziale  Verhöhnung  der  Stände,  hängt  der
innerstaatliche  Friede  wefcntüch  ab.  Dabei  haben  die  gewaltigen ­
  Umwälzungen  der  letzten  Jahre  auch  für  die  Löfung
der  Lohnfragc  ganz  neue  Vorausfetzungen  geschaffen,  deren
Entwicklung  keineswegs  abgeschloffcn  ift.
Daß  fich  deshalb  alle,  die  fich  mit  diefer  Frage  befaffen!
Arbeitgeber  und  Arbeitnehmer,  Volkswirtfchaftler  und  Politiker, ­
  nicht  zuletzt  auch  der  Staat  fclbcr  um  dis  Löfung  der
Frage  und  die  dabei  anzuwendenden  Methoden  kümmern
und  bemühen  muffen,  ift  klar.  Damit  ift  die  Notwendigkeit
der  Lohnpolitik  und  ihre  Bedeutung  fcftgeftellt.
|  s  Beim  erften  Auftreten  der  freien  Lohnarbeit  hat  es  nicht
fofort  eine  Lohnfrage  im  heutigen  Sinne  gegeben.  Solange
und  foweit  der  „Knecht“,  der  Gefellc,  die  fiebere  Ausficht
hatte,  ein  Selbftändiger  zu  werden,  galt  die  Zeit  der  Lohnarbeit
als  ein  Übergang,  den  er  in  dem  fichern  Bewußtfein  ertrug,
bald  in  den  Befitz  des  Vollertrages  feiner  Arbeit  zu  kommen.
Sobald  aber  und  foweit  der  Lohnarbeiter  diefe  Ausficht  nicht
mehr  hatte,  fobald  und  foweit  er  dauernd  dem  Kapital  nur
dienen  folltc,  ohne  felbft  über  die  Produktionsmittel  verfügen
zu  können,  wird  der  Lohn  der  lebenswichtige  Faktor,  von  dem
die  dauernde  Gcfamtexiftenz  abhängt.  Damit  beginnt  der
Kampf  um  den  zureichenden,  um  den  „gerechten“  Lohn.
            
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