fullscreen: Neueste Zeit (Abt. 3)

Ursprung, Verlauf und Ausgang des Kulturkampfs. 673 
abzuändern. Es geschah in einem Antrag vom 28. Januar 1874. 
Die Regierung erklärte sich mit diesem Vorgehen einverstanden; 
und nun passierten die Vorlagen wegen Anderung der Ver— 
fassung wie die vier kirchlichen Gesetzentwürfe bis zum 21. März 
ohne viel Fährlichketten das Abgeordnetenhaus. 
Aber inzwischen hatten die Gegner der Vorlagen außer— 
halb des Parlamentes mobil gemacht. Sehr einfach war hier—⸗ 
bei die Stellung des sich nun völlig papal erweisenden Klerus. 
Einmütig protestierte der preußische Episkopat in einer Denk⸗ 
schrift vom 30. Januar vor dem Ministerium: der Gehorsam 
gegen die drohenden Gesetzesbestimmungen sei unvereinbar mit 
den beschworenen Amtspflichten jedes Bischofs. Und ebenso 
einmütig sprach sich derselbe Episkopat im Beginn des Februars 
in Adressen an die Kammern und den König dahin aus, ein 
katholischer Christ werde diese Gesetze nur unter schwerster Ver⸗ 
letzung seines Glaubens befolgen können. Ganz anders aber 
schlug noch die klerikale Presse, vornweg die „Germania“ drein; 
und die Historisch-politischen Blätter erwarteten „Hilfe und 
Rettung nur noch von unten“. 
Merkwürdiger indes als all dies war die Haltung der 
preußischen Konservativen. Nur aus weiteren Zusammenhängen 
heraus läßt sie sich verstehen. 
Mit wachsendem Unbehagen und schließlich mit Haß gegen 
den leitenden Staatsmann hatte die konservative Partei seit 
1866 die Entwicklung der deutschen Dinge verfolgt. Auf dem 
Boden des ostelbischen Adels erwachsen, von seinen Anschauungen 
getragen, fürchtete sie immer mehr das Aufgehen Preußens in 
Deutschland. In dem alten Preußen war sie immer einer der 
ausschlaggebenden Faktoren im politischen Leben gewesen: die 
Interessen des ostelbischen Teils des Staates ließen sich hier 
in ihrem besonderen Schwergewicht niemals verkennen. Dem—⸗ 
gegenüber drohte jetzt, bei jedem Vorgehen Preußens zur 
Einigung Deutschlands, eine Verschiebung des allgemeinen 
politischen Schwergewichts innerhalb Preußens nach Westen: 
was einer Depossedierung des Ostens und damit der vornehm— 
lichen Heimat konservativer Gesinnung gleichkam. Nun war
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.