Full text : Bilanztechnik und Bilanzkritik

322

Bilanzen  gemeinwirtschaftlicher  Betriebe.

Aktiva  Bilanz  eines

Gegenstand

Bestand
am
1.  4.  1910

Zu;
aus  Staatsmitteln ­


lang
aus  Betriebseinnahmen ­


Bestand
am
31.  3.  1911

Grundstücke
Gebäude
Betriebsmaschinen
Leitungsanlagen..
Inventar

8  000,—
348  508,02
387  166,37
595  170,42
38  426,48

48  330,—

6  892,61
7  271,70

8  000,—
348  508,02
387  166,37
650  393,03
45  698,18

Anlagevermögen  .
Materialien
Versch.  Schuldner
Guthaben  bei  der
Staatskasse....

I  377  271,29
110  152,01

48  330,—

14  164,31
9  525,37

1  439  765,60
119  677,38
16  210,65
37  262,88

|  1  487  423,30  |  48  330,—

23  689,68

1  612  916,51

Notiz;  Abschreibungen  49  589,99  Kr.

ständen  investierte  Anlagekapital;  oder  die  Rechnungen  sind  in
einer  ungewöhnlichen,  für  den  kaufmännischen  Leser  häufig
unverständlichen  Form  aufgestellt.  Bei  Reformvorschlägen  ist
allerdings  stets  zu  berücksichtigen,  daß  etatrechtliche  Gründe
und  Forderungen  der  obersten  Rechnungsbehörden  die  uneingeschränkte ­
  Übertragung  kaufmännischer  Verrechnungsgrundsätze ­
  auf  diese  wirtschaftlichen  Erwerbsbetriebe  nicht  immer
möglich  machen.  Die  Anforderungen  der  Rechnungskontrollbehörden
  an  die  Schlußrechnungen  sind  verschieden  und  demgemäß ­
  auch  die  Aufmachung  der  Rechnungsabschlüsse.
So  will  beispielsweise  ein  staatliches  Elektrizitätswerk,  das
nur  Bareinnahmen  und  Barausgaben  kennt,  seinen  ganzen
Kassenverkehr  durch  eine  Staatskasse  abwickeln  läßt,  in  der
Bilanzrechnung  die  Anlagevermehrung  aus  Etatmitteln  und  aus
eigenen  Betriebseinnahmen  trennen.  Betriebsgewinn  und  Etatbewilligungen ­
  bilden  Schulden  des  Werkes  an  den  Staat.  Vom
Gewinn  sollen  30  %  in  Effekten  angelegt,  70  %  an  die  Staatskasse ­
  abgeführt  werden.  Reicht  das  Guthaben  bei  der  Staatskasse ­
  zur  Anschaffung  der  Wertpapiere  nicht,  so  müßte  dieser
Betrieb  Schulden  machen  und  diese  aus  den  Betriebseinnahmen
des  folgenden  Jahres  tilgen  (vgl.  oben).
Abschreibungen  bei  diesen  Gemeinwirtschaften,  die  ihre

Bilanzen  gemeinwirtsohaftlicher  Betriebe.

323

Elektrizitätswerkes
Schuld  an  den  Staat:
a)  Bis  1.  4.  1909:  Aus  Etatmitteln  beschaffte]
Aktiva
Zugang  Etat  1910
Davon  zum  Etat  1910  abgezahlt
bleiben
b)  Bis  1.  4.  1909  aus  Betriebseinnahmen  angeschafft

Gewinn:  Rest  aus  dem  Vorjahr
.lahresgewinn  für  1910

Passiva

1  345

057,16

48

330,—

1  393

387,16

45

853,69

1  347

533,47

169

241,93

10

225,11

85

916,—

1  516  775,40
!)  96  141,11

1  612  916,51

Überschüsse  abzuführen  haben,  wirken  nicht  anders  als  Abschreibungen ­
  bei  Privatunternehmungen  (S.  66ff.).  Sie  vermindern ­
  den  abzuführenden  Gewinn,  die  Barmittel  bleiben  im
Betrage  der  Abschreibungen  dem  Betriebe  erhalten.  Unterbleiben ­
  sie,  so  hat  der  Staat  bei  Untergang  des  Vermögensobjekts ­
  aus  den  allgemeinen  Einnahmen  die  Ersatzanschaffungen
zu  bewilligen  und  bereitzustellen.  Zweckmäßig  wird  ein  den
Abschreibungsbeträgen  entsprechender  Betrag  in  Effekten  oder
Hypotheken  angelegt,  so  daß  dem  Betriebe  aus  eigenen  Betriebsmitteln ­
  für  Ersatzanschaffungen  Gelder  zur  Verfügung
stehen  (S.  116).
Ein  anderer  Staatsbetrieb  hat  bei  der  Staatskasse  einen
Betriebskredit  von  900  000  M.  jährlich  und  will  den  unverbrauchten ­
  Restkredit  bilanzmäßig  darstellen.  Angenommen,  es
wären  661  000  M.  verbraucht;
Bilanz
Kreditguthaben  bei  der  Kasse  239  000  |  Betriebskredit  900  000
Der  Etat  eines  Gemeindebetriebes  will  den  hohen.  Reingewinn ­
  (Straßenbahn)  verschleiern,  sei  es,  um  das  Verlangen
nach  Tarifermäßigung  nicht  zu  wecken,  sei  es  wegen  der  Kon-J
 )  Davon  verwendet  45  853,69  Kr.  zur  Schuldentilgung
23  689,68  ,,  zur  Erweiterung  der  Anlagen
69  543,37  Kr.  Der  Rest  ist  gedeckt  durch  das
Guthaben  bei  den  Schuldnern  und  der  Staatskasse.
21  *
            
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