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Bilanzen gemeinwirtschaftlicher Betriebe.
Aktiva Bilanz eines
Gegenstand
Bestand
am
1. 4. 1910
Zu;
aus Staats
mitteln
lang
aus Betriebs
einnahmen
Bestand
am
31. 3. 1911
Grundstücke
Gebäude
Betriebsmaschinen
Leitungsanlagen..
Inventar
8 000,—
348 508,02
387 166,37
595 170,42
38 426,48
48 330,—
6 892,61
7 271,70
8 000,—
348 508,02
387 166,37
650 393,03
45 698,18
Anlagevermögen .
Materialien
Versch. Schuldner
Guthaben bei der
Staatskasse....
I 377 271,29
110 152,01
48 330,—
14 164,31
9 525,37
1 439 765,60
119 677,38
16 210,65
37 262,88
| 1 487 423,30 | 48 330,—
23 689,68
1 612 916,51
Notiz; Abschreibungen 49 589,99 Kr.
ständen investierte Anlagekapital; oder die Rechnungen sind in
einer ungewöhnlichen, für den kaufmännischen Leser häufig
unverständlichen Form aufgestellt. Bei Reformvorschlägen ist
allerdings stets zu berücksichtigen, daß etatrechtliche Gründe
und Forderungen der obersten Rechnungsbehörden die unein
geschränkte Übertragung kaufmännischer Verrechnungsgrund
sätze auf diese wirtschaftlichen Erwerbsbetriebe nicht immer
möglich machen. Die Anforderungen der Rechnungskontroll-
behörden an die Schlußrechnungen sind verschieden und dem
gemäß auch die Aufmachung der Rechnungsabschlüsse.
So will beispielsweise ein staatliches Elektrizitätswerk, das
nur Bareinnahmen und Barausgaben kennt, seinen ganzen
Kassenverkehr durch eine Staatskasse abwickeln läßt, in der
Bilanzrechnung die Anlagevermehrung aus Etatmitteln und aus
eigenen Betriebseinnahmen trennen. Betriebsgewinn und Etat
bewilligungen bilden Schulden des Werkes an den Staat. Vom
Gewinn sollen 30 % in Effekten angelegt, 70 % an die Staats
kasse abgeführt werden. Reicht das Guthaben bei der Staats
kasse zur Anschaffung der Wertpapiere nicht, so müßte dieser
Betrieb Schulden machen und diese aus den Betriebseinnahmen
des folgenden Jahres tilgen (vgl. oben).
Abschreibungen bei diesen Gemeinwirtschaften, die ihre
Bilanzen gemeinwirtsohaftlicher Betriebe.
323
Elektrizitätswerkes
Schuld an den Staat:
a) Bis 1. 4. 1909: Aus Etatmitteln beschaffte]
Aktiva
Zugang Etat 1910
Davon zum Etat 1910 abgezahlt
bleiben
b) Bis 1. 4. 1909 aus Betriebseinnahmen an-
geschafft
Gewinn: Rest aus dem Vorjahr
.lahresgewinn für 1910
Passiva
1 345
057,16
48
330,—
1 393
387,16
45
853,69
1 347
533,47
169
241,93
10
225,11
85
916,—
1 516 775,40
!) 96 141,11
1 612 916,51
Überschüsse abzuführen haben, wirken nicht anders als Ab
schreibungen bei Privatunternehmungen (S. 66ff.). Sie ver
mindern den abzuführenden Gewinn, die Barmittel bleiben im
Betrage der Abschreibungen dem Betriebe erhalten. Unter
bleiben sie, so hat der Staat bei Untergang des Vermögens
objekts aus den allgemeinen Einnahmen die Ersatzanschaffungen
zu bewilligen und bereitzustellen. Zweckmäßig wird ein den
Abschreibungsbeträgen entsprechender Betrag in Effekten oder
Hypotheken angelegt, so daß dem Betriebe aus eigenen Be
triebsmitteln für Ersatzanschaffungen Gelder zur Verfügung
stehen (S. 116).
Ein anderer Staatsbetrieb hat bei der Staatskasse einen
Betriebskredit von 900 000 M. jährlich und will den unver
brauchten Restkredit bilanzmäßig darstellen. Angenommen, es
wären 661 000 M. verbraucht;
Bilanz
Kreditguthaben bei der Kasse 239 000 | Betriebskredit 900 000
Der Etat eines Gemeindebetriebes will den hohen. Rein
gewinn (Straßenbahn) verschleiern, sei es, um das Verlangen
nach Tarifermäßigung nicht zu wecken, sei es wegen der Kon-
J ) Davon verwendet 45 853,69 Kr. zur Schuldentilgung
23 689,68 ,, zur Erweiterung der Anlagen
69 543,37 Kr. Der Rest ist gedeckt durch das
Guthaben bei den Schuldnern und der Staatskasse.
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