Full text : Aktive Währungspolitik

privat-  und  volkswirtschaftliche  Bedeutung  der  Preisschwankungen.

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Und  man  behauptet,  daß  in  den  Jahren  1905  —1907  die  preise  der  Waren
im  Durchschnitt  reichlich  um  20  Prozent  gestiegen  sind!  Ein  Abstrich  von
20  Prozent  (materiell,  nicht  nominell)  der  Buchschulden,  der  Staats-  und
Gemeindesteuern,  der  kontraktlich  auf  Jahre  festgelegten  Pacht-  und  Mietgelder, ­
  der  Hypothekenschulden,  der  Post-,  Telegraphen-und  Eisenbahntarife  usw.
genügt  aber,  um  die  hohen  Dividenden  zu  erklären,  die  in  jenen  Jahren  verteilt
wurden.  Das  Geld  zu  diesen  Dividenden  stammt  aus  den  Taschen  der  Gläubiger.
übrigens  sind  diese  Dividenden  vielfach  nur  nominell  so  außergewöhnlich  hoch.  Hat  der
Aktionär  an  Dividenden  20  —  25  Prozent  mehr  Einnahmen,  so  muß  er  der  allgemeinen  Preissteigerung ­
  wegen  20—25  Prozent  mehr  für  seinen  Lebensunterhalt  bezahlen,  wie  vor  der  Hochkonjunktur ­
  bei  niedrigen  Dividenden.  Bleibt  aber  ein  Unterschied  zu  seinen  Gunsten,  so  erklärt
er  sich  damit,  daß  während  jeder  Hochkonjunktur  des  flotten  Geschäftsganges  wegen  die  Produktionsmittel ­
  voll,  d.  h.  rationell  ausgebeutet  werden  können.  Diesen  Vorteil  muß  er  aber  bei  der
der  Hochkonjunktur  notwendigerweise  folgenden  Baisse  wieder  bezahlen,-  denn  bei  der  Baisse
wird  unrationell  gearbeitet.
Die  Arbeiter,  deren  Löhne  schwerfälliger  als  die  Warenpreise  sich  den
Schwankungen  des  Geldangebots  anpassen,  erleiden  durch  die  von  der
Emissionsbank  gestattete  oder  veranlaßte  Teuerung  einen  dieser  Teuerung
ziemlich  entsprechenden  Verlust,  und  bis  das  Gleichgewicht  durch  Lohnkämpfe
wieder  hergestellt  werden  kann,  vergehen  Monate.  Bei  den  Beamten  ist  die
Sache  noch  schlimmer,  indem  hier  noch  das  schwerfälligere  geschriebene  Gesetz
durch  Teuerungszulage  die  Streiche  der  Emissionsbanken  ausgleichen  muß.
Und  bis  das  Gesetz  eingreift,  vergehen  oft  Jahre.  Aber  was  ficht  das  die
Emissionsbanken  an?  Sie  kennen  ja  keine  Warenpreise.  Auch  verlangen  die
Aktionäre  dort,  wo  die  Emissionsbanken  Privatkapitalisten  gehören,  alle  Jahre
ihren  Zins.  Und  es  wäre  doch  zu  viel  von  einem  Privatkapitalisten  verlangt,
wenn  man  von  ihm  forderte,  daß  er,  um  der  Hausse  entgegenzuarbeiten,  auf
Zins  verzichtend  das  Bankkapital  vom  Markte  zurückziehen  und  auch  aus
das  Emissionsrecht  verzichten  sollte!  Hat  man  denn  den  Emissionsbanken
vorgeschrieben,  wann  sie  das  Emkssionsrecht  ausüben,  wann  sie  ihr  Kapital
in  Umlauf  setzen  oder  vom  Markte  zurückziehen  sollen?
Die  Milliarden,  die  die  Gläubiger  (Rentner,  Pensionäre,  Invaliden)
verlieren,  gewinnen  die  Schuldner  (Unternehmer,  Kaufleute,  Staat  und
Gemeinde).  Das  Haben  der  Schuldner  steigt  dem  Soll  gegenüber  um
10  —  20  —  30  Prozent.  *)  Wer  1  Million  Mark  an  Hypotheken  aufgenommen  hat,
um  ein  Haus,  eine  Fabrik  zu  bauen,  gewinnt  darauf  entsprechend  der  allgemeinen ­
  Hausse  100  —  200—  ZOO  000  Mark.  Wer  von  der  Sparkasse
10  000  Mark  geborgt,  um  Waren  zu  kaufen,  gewinnt  1000  —  2000  —
3000  Mark.  Das  alles  ohne  die  geringste  Mühe.  Denn  diese  Summen
fließen  den  Schuldnern  ganz  unabhängig  vom  Unternehmer-  und  Handelsgewinn ­
  zu.  Es  ist  ein  Geschenk,  das  ihnen  die  berufene  Hüterin  der  Währung,
die  Emissionsbank,  aus  den  Taschen  der  Gläubiger  mit  Hilfe  des  Notenprivilegs, ­
  des  Gesetzes,  macht.

Bis  hierher  betrachtet,  ist  dieser  erste  Erfolg  der  Banknotenüberschwemmung
rein  privatwirtschastlkcher,  juristischer  Natur.  Es  ist  eine  einfache  Machtfrage,
i)  Jetzt  (1921)  bei  einer  15  fache»  Inflation  ist  dieses  Haben  um  1500°/o  gestiegen.
            
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