II. Kapitel.
Die Ubergangszeit.
Beim Ausbruch der französischen Revolution warf die herr-
schende Getreideteuerung Amsterdam zunächst einen riesigen
Getreidehandel in den Schoß und schuf dem Handel der Stadt
damit für lange Zeit die letzte Hochkonjunktur. Die Ausfuhr von
Getreide nach Frankreich, die 1788 rund 700 000 Livres betragen
hatte, stieg im folgenden Jahre auf 14 Millionen!). Wenn die Nieder-
lande selbst dadurch in Verlegenheit gerieten, so hütete man sich
auch jetzt wieder vor einem Ausfuhrverbot, da eine solche Maß-
regel stets auch die Einfuhr zu hemmen pflegte. Im übrigen litt der
niederländische Handel nach Frankreich unter den dortigen Unruhen
und ganz hat er sich nie wieder von den Folgen dieser Wirren er-
holen können. Als dann der allgemeine Krieg gegen Frankreich
begann, hörte auch die bisher von Holland aus fleißig betriebene
Versorgung Frankreichs mit Kriegsmaterialien auf?) ; nur mit Nicht-
konterbande ging der gegenseitige Handel weiter. Auch dieser wurde
stark beeinträchtigt, als im Januar 1795 das Land von den Fran-
zosen besetzt wurde. Man hatte sich vorher Mühe gegeben, jenen
verständlich zu machen, daß sie von einer Besetzung gar keine
wirtschaftlichen Vorteile haben würden, da der Reichtum des Landes
nur ein fiktiver, auf den Schulden anderer Nationen beruhender und
ı) Manger, S. 63 ff. Im Jahre 1753 waren von Amsterdam nach Frank-
reich 849 Last Weizen gesandt worden, 1789 waren es 20165 Last; die Roggenausfuhr
stieg in denselben Jahren von 137 auf 3795 Last. An dieser Ausfuhr war das Haus
Hope stark beteiligt; vgl. L. van Nierop, Uit de bakermat; van Dil-
len, AHEenige brieven der Firma Hope u. Co. Aus den Maashäfen wurden 1788:
62411% L. Getreide ausgeführt; 1789 aber ı2 422°/,„ L., was zweifellos zum großen
Teil der Mehrausfuhr nach Frankreich zuzuschreiben war (Dobbelaar, Stat.
Opgaven, S. 150).
2) Manger, S. 82.