Full text : Kommentar zum Gesetz über eine Kriegsabgabe von Vermögenszuwachs und zum Gesetz über eine außerordentliche Kriegsabgabe für das Rechnungsjahr 1919 vom 10. September 1919

Vorwort.

Unter  auch  nur  annähernd  so  widrigen  Umständen  wie  der  vorliegende ­
  ist  keiner  meiner  früheren  Kommentare  zustande  gekommen. ­

Schon  die  Verhältnisse,  unter  denen  wir  seit  dem  Umsturz  vom
November  1918  leben,  sind  für  jedermann  einer  ruhigen  Vertiefung
in  geistige  Arbeit  und  einer  Konzentration  ans  wissenschaftliche  Probleme ­
  so  abträglich  wie  möglich,  auch  wenn  man  nicht  eine  Münchener ­
  Rätezeit  durchzumachen  hat.  Ich  aber  stehe  seit  anderthalb
Jahren  unter  dem  unablässigen  Drucke  familiärer  Sorgen  und
ständiger  Aufregungen/  wie  sie  in  gleicher  Schwere  nicht  vielen
Vätern  beschieden  sind.  Die  Geschäfte  meines  bisher  sieben  überaus ­
  leistungsfähige  Räte  zählenden  Senats  sind  im  letzten  Halbjahre ­
  lawinenartig  angewachsen  und  brachten  für  den  Senatspräsidenten ­
  auch  wegen  der  Verschiedenartigkeit  der  Gegenstände  —
die  sämtlichen  direkten  Reichssteuern,  Zölle,  Verbrauchsabgaben,
Steuerflucht,  Doppelbesteuerung  —,  der  Neuheit  der  Gesetze  und
der  Mangelhaftigkeit  der  meisten  von  ihnen  nachgerade  eine  Belastung ­
  mit  sich,  die  erheblich  über  diejenige  in  meiner  frühem
Stellung  als  Senatspräsident  des  preußischen  Oberverwaltungsgerichts ­
  und  vorher  als  vortragender  Rat  im  preußischen  Finanzministerium ­
  und  Chef  der  preußischen  Lotterieverwaltung  hinausging. ­
  In  dem  geschäftlich  noch  stilleren  vorigen  Sommer  wurde
ich  zeitweise  der  Arbeit  durch  Reisen  nach  Weimar  zu  Besprechungen
über  die  Reichsfinanzverwaltung  entzogen,  und  meine  durch  die
Familiensorgen  und  die  hiesige  Rätezeit  mehr  wie  je  in  meinem
Leben  mitgenommenen  Nerven  forderten,  wenn  ich  mir  auch  einen
längeren  Urlaub  versagte,  doch  wenigstens  einige  kurze  Erholungen
            
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