Vorwort.
Unter auch nur annähernd so widrigen Umständen wie der vorliegende
ist keiner meiner früheren Kommentare zustande gekommen.
Schon die Verhältnisse, unter denen wir seit dem Umsturz vom
November 1918 leben, sind für jedermann einer ruhigen Vertiefung
in geistige Arbeit und einer Konzentration ans wissenschaftliche Probleme
so abträglich wie möglich, auch wenn man nicht eine Münchener
Rätezeit durchzumachen hat. Ich aber stehe seit anderthalb
Jahren unter dem unablässigen Drucke familiärer Sorgen und
ständiger Aufregungen/ wie sie in gleicher Schwere nicht vielen
Vätern beschieden sind. Die Geschäfte meines bisher sieben überaus
leistungsfähige Räte zählenden Senats sind im letzten Halbjahre
lawinenartig angewachsen und brachten für den Senatspräsidenten
auch wegen der Verschiedenartigkeit der Gegenstände —
die sämtlichen direkten Reichssteuern, Zölle, Verbrauchsabgaben,
Steuerflucht, Doppelbesteuerung —, der Neuheit der Gesetze und
der Mangelhaftigkeit der meisten von ihnen nachgerade eine Belastung
mit sich, die erheblich über diejenige in meiner frühem
Stellung als Senatspräsident des preußischen Oberverwaltungsgerichts
und vorher als vortragender Rat im preußischen Finanzministerium
und Chef der preußischen Lotterieverwaltung hinausging.
In dem geschäftlich noch stilleren vorigen Sommer wurde
ich zeitweise der Arbeit durch Reisen nach Weimar zu Besprechungen
über die Reichsfinanzverwaltung entzogen, und meine durch die
Familiensorgen und die hiesige Rätezeit mehr wie je in meinem
Leben mitgenommenen Nerven forderten, wenn ich mir auch einen
längeren Urlaub versagte, doch wenigstens einige kurze Erholungen