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MenfgHen. Es wohnten demnad) 22 Vo der Bevölkerung in den Städhten,
8,5 % in den Handelsorten und 68,6 0% auf dem Lande. Die jtärkjte
jtäbtiide Bevölferung haben die Gouvernements Piotriow und War-
idau, hier wohnen 40,6 bzw. 39,9 % der Bevölkerung in den Städten.
Sn den übrigen Gouvernements it die [tädtijdHe Bevölferung bei
weitem geringer, in den Städten wohnen hier nur 8,0 (Stielce) bis
14,2 0% (Siedlee) der Bevölferung des betreffenden Gouvernements.
Sm Ileßten Jahrzehnt vor dem Kriege [tammte die beträchtliche
polni[dje Emigration nad den Vereinigten Staaten von AWmerika vor-
wiegend aus Kongrekpolen; fie trug ganz deutlid) einen zeitweiligen
Erwerbscharakter. Mit wenigen Nusnahmen 30g ein jeder diejer Aus-
wanderer hinaus mit dem fejten Entihluffe, heimzufehren, jobald er
fig einen Betrag erjpart Haben würde, der ihm unumgänglih nötig
war, um eine Schuld zu bezahlen, ein Grundjtüd zu erwerben, ein
neues Haus zu bauen, feinen Biehjtand zu vermehren und dergl.
An der überfeeildhen Erwerbswanderung durfte angelihts ihrer
hohen Koften nur derjenige teilnehmen, dem gewijfe Mittel oder ein
ent/predjender Kredit zur Verfügung jtanden. Bauern, die Keine Mittel
für die überfeeilde Reife aufbringen und in ihrer Gegend feine oder
nur fOledht bezahlte Arbeit finden Ionnten, mußten demnad) 3U Feld-
arbeiten nach verjdhiedenen europäijden Ländern wandern. So entjtand
die Kontinentale Auswanderung mit ausgeprägtem Saijondharafkter, da
jie Jid ausfjHlieklidh auf die Dauer der Feldarbeiten, d. h. vom Srüh-
jahr bis in den Spätherbit, beidhränkte,
Auf dem europäijdhen Feltlande bildete Polen mit feinen Land-
arbeitern die wichtigjte Arbeiterbezugsquelle, befonders für Norddeut[dh-
(and, wohin fidh jährligH ungefähr 300000 Landarbeiter begaben. Ur-
iprünglid richtete id) die Saijonauswanderung aus Kongreß:
polen HauptlächlidH nad) der preukijdhen Provinz Sachjen, und deswegen
wird dieje Auswanderungsbewegung landläufig „Sachjengängerei‘“ ge-
nannt. Für die preukijde LandwirtfHaft war bisher der jtarfe Zufluß
von polniiden Saijonarbeitern von großer Bedeutung; ob und in
weldem Umfange in Zukunft eine Saijonauswanderung nad Preußen
nod) ftattfinden wird, wird von der fozialöfonomijdhen Entwidlung
des heutigen polnijden Staates abhängig jein. — Eine verhältnismäßig
geringe Anzahl von polnijdhen Saijonarbeitern begab fidH au in
den legten Jahren vor Ausbruch des Weltirieges alljährlid nad) Däne-
marf, Schweden, in die Schweiz und nad Franfkreid.
Die Emigration bildete im Wirt[Hafts- und Finanzleben Polens
eine wichtige Erjheinung. Für die Ausfuhr feiner Arbeitsiräfte er-
zielte Bolen einen jteten Zufluß baren Geldes in Gefjtalt der von
den Auswanderern erfparten Mark und Dollars. Dielje Erjparni[fe
idwollen zu beträctliH hohen Summen an und bildeten für ganze