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indujtrien. Modte es der Mangel an gefebliden Bejtimmungen
fein, mochte es vor allem das [Hwadhe Kapitalsvermögen der einzelnen
jein, jedenfalls Hatten jid in diejer Beziehung in Polen Verhältniffe
entwidelt, die in Deutjdhland volllommen unbekannt find. Es gab eine
Menge Fabriken, bei denen der Grund und Boden einem anderen
Eigentümer gehörte wie das Fubriigebäude; die Mafjdinen (Web-
jtühle) gehörten wieder einem anderen und wurden auch von diejem
nicht auf eigene Rechnung betrieben, jondern gehörten entweder meh-
reren Eigentümern oder wurden an mehrere oder einzelne auf bejtimmte
Zeit vermietet. Dak dies natürlidH äukerjt ungefunde VBerhältniffe
zur Folge Hatte und die [Hwierigjten jurijtijden Verwidlungen
ergeben fonnte, ijt far. Befonders in jüdijden Kreijen war bdieje
Art der Haus- oder Kleininduftrie nod) jehr beliebt und bildete oft
die Grundlage für [pätere gröhere Vermögen.
Warjhau ijt im Gegenjaßg zu dem grokinduftriellen Gouverne-
ment Piotriow mehr der Bezirk der Kleinindujtrie und des Hands
werfs, 1901 3ählte es 657 Fabriken mit 65640 Arbeitern und 118,2
Millionen Rubel Produktionswert; 1894 bereits 10400 Handwerks-
meifjter, die mit 26627 Gefellen und 18479 Lehrlingen Werte von
56,8 Millionen Rubel erzeugten.
Der Handel nahm bisher in Kongrekpolen noch nicht den Rang
und den Umfang ein, wie in den wirt]daftlid) fortgejdhrittenen Staaten
bes weltliden Europas. Das Kapital befand fih in großem Umfange
in Händen von Ausländern, befonders von Deutjdhen. Der Pole war
an Handel und Induftrie, mit ANusnahme der Iandwirt[dhaftliden In-
duftrie und einiger AktiengefelljHaften der Textilinduftrie, nur in ge-
ringem Make beteiligt. Das franzöjijhHe Kapital war in der polnijden
Snduftrie mit 60—70 Millionen Rubel beteiligt, das ru]lijdhe dagegen
nur mit 15—20 Millionen. EnglijdHe Beteiligungen betrugen ungefähr
5 Millionen Rubel, italienijHe und belgijdHe nur 1 Million. Aus-
länder, insbefondere Deutidhe, hatten vielfad) Zweigniederlafjungen und
Bertretungen ihHrer heimijden großen GejelljhHaften und Handelshäufer.
Die Textilfabrifen Polens hatten ihre Niederlagen, die fie für eigene
Rechnung betrieben. Es blieb demnad) für den Handel im groken Stil
nit viel zu hun übrig. Wie einen großen Teil feiner Kultur, fo
verdankte Polen aud den vorhandenen Handel im weitgehendjten Make
den Deutjchen. Die eingewanderten zahlreiden Deutjdhen waren neben
MWebern au Bergleute, Bauern und Gewerbetreibende aller Art, die
aus dem Welten her grökere Kulturaniprüde mitbradten. Infolge-
defjen entwidelte [id von felbjt ein Haulierhandel, der aud) heute noch
in großem Umfange beiteht.
Zum weitaus größten Teil wird der Handel von Juden betrieben.
Belondere Handelsverhältnifie beitanden für die Erzeugnijje der groben
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