Litauen
Bon Victor Jungfer, Freiburg
MAugdehnung des Gebietes
Die politilden Grenzen des litauifden Staates ftehen zur Zeit
nad) fajt Feiner RMidhtung hin fejt, da die Iriegerijden Verwidlungen,
namentlid) zwijden Litauen und Polen, noch nidHt zum Abjdhluk ge-
(angt find. Die Frage: was gehört zu Litauen? wird verjdhieden be:
antwortet werden müjfjen, je nad)dem wir einen ge[HidHtlidhen, politijdHen,
jpracdlidhen oder ethHnographijden Makitab anlegen. In dem „Kitaui-
iden“ Grodno, in der Gegend von Breft-Litow|t (lit. Furt), bei
Bialowies ujw. wohnen feine Litauer, haben au) vielleidht nie Joldhe
in größerer Anzahl gelebt, wenngleid) die ehemals rujlijden Gouverne-
ments Grodno, Minik, ujlw. einmal zum „SGrogfürftentum Litauen“
gehört Haben. Cbenfo irreführend wirkt es, wenn jidH Heute nod
Bewohner diejer Gegenden als Litauer bezeidnen, ehemalige politiiche
Grenzen im Volisbewuktfjein aljo nod nachleben.
Sprachlig allein abzugrenzen ijt das Gebiet ebenjo [Hwer, da wir
oft, infolge der Spradentfremdung, die in Litauen weit um ih ge
griffen hat, eine ethnographijdh einheitlide Majje vorfinden, die, ohne
völfijdes Bewuktjein, unter dem Drud einer herr]henden, ihren Be-
jtrebungen aber fernjtehenden (polnijden) Oberfdhicht, [ih verleiten
ließ, ihre angejtammte Sprade zu mikadhten und teilweije preiszu-
geben. Immerhin ijt es der einzig möglidHe Weg, auf Grund der
Sprade Grenzen wenigjtens in rohen Umrifjen zu ziehen, die wir aller-
bings nad) ethnographijden Gelichtspunften teilmeije zu berichtigen ge-
zwungen [ind
Das Gebiet, das wir unter diejen Borausjegungen als „Hitaui[ch“
bezeihnen, dürfte fiH aud) ungefähr mit den zu erwartenden Grenzen
des Staates Litauen deden, wenn die Regelung feiner Anjprücdhe im
Sinne der Gerechtigkeit erfolgen [ollte. Politijde Grenzen hat Litauen
unter rullijder Herridhaft nicht gehabt, Man fpradg) zuweilen von
„Jitaui[den Gouvernements‘“ und verftand darunter die Gouvernements
Kowno, Wilna und Grodno. Kür Grodno war, wie oben erwähnt,