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Die Landeskirche der baltijden Provinzen war die evangeli[d)-
utherijde.
Die Landesge[HidhHte ft ein Stüd deut/der Vergangenheit.
DeutiHe feefahrende Kaufleute hatten [don in der zweiten Hälfte
des 12. Sahrhunderts den Weg in die Düna gefunden und trieben am
Unterlauf des Stromes — alljährlid wiederfehrend — LTaufdhandel,
Sie brachten Werkzeuge und Waffen, Shmud, Wein, Gewebe und
Salz. Dagegen taufchten fie Wachs und Relzwerk, Häute, Flahs
und Talg.
Die an Zahl unbedeutenden Volksjtämme, die das Land be
mohnten, waren primitive Aderbauer; fie befahen weder eine Schrift-
ipradje, noch eine [taatlidhe Organifation, nur gegen äußere Feinde
vereinigten [id) die Bewohner einer Gegend unter ber Führung von
Häuptlingen.
Na dem finnif[dH-ugrifgen VBolisjtamm der Liven, den die Deut»
ihen zuerft kennen lernten, nannten fie das Land Livland, und diefer
Name bezeichnete lange Zeit das ganze Gebiet, das fiQ fpäter in Eljt-
land, Livland und Kurland gliederte und zu dem damals aud) Lett-
gallen gehörte,
Dem deutjhen Handel folgte bald die Mijlionstätigieit der römijcdh-
fatholijgden Kirde und die deut[dHe Städtegründung (zuerjt 1201 —
Riga); der deutfde Orden, der gleichzeitig in Preußen gebot, be-
jeftigte dann die deutfhe Herridhaft in Alt-Livland, die dreieinhalb
Xahrkunderte lang in einem Iolen Zulammenhang mit dem damaligen
Deutidhen Neid) beftand.
Gegen Ende des 15. Yahrhunderts Hatte die gewaltjame Ex:
panfion des Moskauer Zarenjtaats in der NRidtung nad) Weiten be:
zonnen. Sie wurde für Alt-Livland zum Verhängnis. Im Jahre
1502 gelang es nod) dem ivländijhen Ordensmeifter Wolter von
Blettenberg unter Aufbietung aller Kräfte des Landes das angreifende
zuflilde Heer zu [AHlagen und Hierdurdh die Gefahr für ein halbes
Nahrhundert zu bannen. AWber zur Regierungszeit des Zaren Swan IV.,
des Graufamen, braden mordend und verwüftend ruljijdhe Heerhaufen
nieder ins Land ein, und im Jahre 1560 fank bei Ermes auf dem
Schlachtfelde die Ordensfahne. Das Deutjdhe Neid) erwies fig als ohn-
mächtig, die erbetene und zugefagte Hilfe zu Teilten, und nad) jahre
langer verheerender Kriegszeit fanden die Livländer eine Rettung vor
aölligem Untergang durch Unterwerfung unter Polen und Schweben.
Rurland wurde polnifjdhes Lehnsherzogtum, Livland (im engeren Sinn)
fam unter polnijdje und Ejtland unter [Hwediflhe Herrjghaft. 1621
murde Riga vom Schwedenkönig Gujtav Adolf den Polen durd Er
oberung abgewonnen und damit Livland mit Ejtland unter IHwebdildher
Serrichaft vereinigt. 1710 aewann Veter der Groke im Nnurdilchen