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hier Gegenjäge zum Austrag fommen mußten, wenn folge zwijdhen
Schweden und Moskowien vorhanden waren. Tatlächlih find zwijden
Heiden Mächten zahlreide Fehden ausgefämpft worden, um die Vor--
Herrichaft an der Oftfee, in denen die eingeborenen Finnen mit groHer
Tapferkeit ihre heimatliche Scholle verteidigt Haben. Hierdurch, und
infolge der räumliden Irennung dur den Bottnijden Meerbufen
erhielt die Kolonie des fHwedijHen Staates ihre Eigenart, die aud)
im Titel „SGroßfürftentum Finnland“ bereits aud im Mittelalter Sffent-
fig vom Mutterlande anerkannt ward. In den durch die Iahrhunderte
mährenden Kämpfen war befanntlid im Jahre 1809 das KRKRubkland
Peters des Großen Sieger geblieben. Zar Alexander I. übernahm das
SGrokfürjtentum von der Krone Schwedens „wie es ging und ftand“
und [Hlug es als autonomes Staatswelen zum ruflilden Reid.
Bis in die 90er Iahre des vergangenen SZahrhunderts konnte
das eigenartige Staatswefen, das vom finnijdjen Staat, alfo von
finnländijden Bürgern verwaltet wurde, fi felbjtändig weiter ent-
mideln. Die Finnländer Hatten ihre eigene Münze und ihr Zoll-
inftem, Gerichtsbarkeit, eine Schule, die den an Zahl immer mehr
zunehmenden Bürgern finnijdher Nationalität gleidhfalls die Ausbildung
bis in die HochfHhule in ihrer Mutter/prahe bot. Endlid) ein eigenes
finnländijhHes Heerwejen. Was Finnland mit dem rujliidhen Reid) ver-
Band, war ein Vertrag, den zU halten die Finnländer für ihre heilige
Pflicht erachteten, Jolange Die andere Seite, d. h. die Regierung des
Zaren ihren Pflidten nadfam. Erjt gegen Ende des Sahrhunderts
wurde Har, daß das mächtige Rußland danad ftrebte, das Heine
Finnland zu unterdrüden, ZU fnechten, ihın feine Geredhtjame zu nehmen,
das blühende Wirtjhaftsleben zu Hwächen und das autonome Staats-
mejen in eine rullijde Provinz zu verwandeln. Der Grund dafür lag
in den gewaltigen Anftrengungen und Rüfjtungen, die Rußland in
Borbereitung zum Weltiriege traf. Als Vorwand diente die FurdGHt,
Finnland könne im Falle eines Krieges dem Feinde VBorfhub leilten.
Rein Wunder, daz während des Weltkrieges die Gefühle der Finn-
[änder dorthin geridtet waren, wo im Süden der Oftjee „der Sachje“
wohnt. (Sakla heißt in finnijder Sprache der Deutihe.) Lagen doc
dort in Deutidland die alten Hanfejtädte, deren Kaufleute im 20, Jahr-
Hundert nicht weniger als im tiefen Mittelalter SHandelsverfehr mit
den Finnländern pflogen. Aus dem Herzen Deutjdlands war den
Finnländern die Lehre Luthers gekommen, und zahlreiche Bande geiftiger
Art waren feitdem hinüber und Herüber gejponnen worden; während
des Krieges erfreuten [id die Finnländer in weiten Teilen des Deut-
iden Reiches lebhaftejter moralilder Unterjtügung im Kampfe um
ihre Sreibeit.