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Wenn dem Staat fernerhin innere Kämpfe erfpart fein follten,
jo wird er ausbauen fönnen, was von ihm aud) in den [Hwierigen
drei lekten Jahrzehnten rullildher Oberherr]dhaft auf dem Gebiet geiftiger
Kultur gejhaffen ward. Finnland ijt ein zweijpradhiges Land; 1r08-
dem befigt es ein hHocjentwideltes Boliks-, Mittel und Hoch[hulwejen
für beide Sprachen und eine dementjpredjend geringe Anzahl von An-
alphabeten aud) unter den Finnen. Es er[dHeint bewunderungswürdig,
wie beide Nationalitäten, die finnijde neben der fhwedijdhen, friedlich
neben: und miteinander dahergehen, fjeitdem die allen von auken Ddro-
hende Gefahr fie zu einer Nation zujammenge[Hweikt Hat,
Die materielle Kultur entjpridt in ihrer Höhe dem allgemeinen
Bildungsftande der Bevölkerung durdhaus. Vielleicht kann fie nicht
beifer Harakterijiert werden als dur folgende Zahlen: Bor dem
Kriege betrug der Kopfanteil des Finnländers am Aukenhandel des
Landes in Finnland 200 Mark, in Rußland dagegen nur 35 Mark.
Xndelfen hatte Finnland immer gewifje Schwierigkeiten, fein Budget
ins Sleidgewidht zu fekgen. Iekt, da es frei und unabhängig ilt
und vor allem feine fozialen Verhältnijje auf die notwendige Höhe
bringen muß, wird es auch diejenigen wirt]Haftspolitijden Maßnahmen
treffen fönnen, welde ihm möglichjte Selbitverforgung lJidern.
Freilich fönnte die geringe Bolisdihte Bedenken erregen. Doch einmal
ijt die natürlihHe Bolksvermehrung ungewöihnlid) hoch, und zweitens
ijt Finnland fein Agrarftaat und Kfeineswegs gezwungen, alles im
eigenen Lande zu erzeugen. Gewiz müfjjen Moorkultur und YAWuf-
IOhlieBung brachliegender Böden die AUnbauflädhe vergrößern helfen;
vor allen Dingen aber liegt die Möglichkeit vor, den ungewöhnlichen
Waldreidhtum durch gefteigerte Herftellung indujtrieller Erzeugnijfe nod)
beffer zu verwerten als bisher. Dabei können nahezu alle Verfkehrs-
mittel und nod) viele Induljtriebetriebe aus den Waffjerfkräften elektrijiert
werden. Finnland braucht alfo keineswegs zu fürchten, aud) weiterhin
mit feiner Ausfuhr der Einfuhr gegenüber im Rüdjtand zu bleiben.
Dazu gehört FfreilidH nicht allein Kapital, jondern es find au nod)
mehr gut vorgebildete und gejdhulte Menfdhenkräfte nötig, und in
dem Make als erjteres dem Lande zuflieken wird, müllen lektere ins
Land gezogen werden. .
3 gebe nun zum Schluß einige Jtatijtijde Tabellen, deren Er-
Märung überflüffig erfheint. Die neuelte Bejdreibung Finnlands it
1919 unter dem Titel „Finnland im Anfang des 20. Jahrhunderts‘
in der Druderei der finnifiden Literaturgefellfihaft zu Hellingfors er-
Ichienen. Wer ih mit einer fürzeren, irogdem aber jehr volljtändigen
Auskunft begnügen will, dem fei 5. Dehquijts „Finnland“ empfohlen
(Bd. 700 der Sammlung „Aus Natur und Geilteswelt“, B. G. Teub-
ner 1919).