Neue Weltanschauung.
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Psychologie noch so sehr auf einen metaphysischen Monismus
hindrängen, wie es die Naturwissenschaften schon seit Galilei
zu tun begonnen hatten, mochte die neue Geisteshaltung noch
so sehr die Herrlichkeit der menschlichen Einzelpersönlichkeit
erfordern: war damit der dualistische christliche Dogmatismus
schon überwunden und gegenüber einem Gotte, den wir fürchten
und lieben sollen, die führende Selbstherrlichkeit des Subjektes
endgültig festgestellt?
Dem Systeme Herders selbst wohnen die Momente des
alten Geisteslebens noch deutlich genug, ja an einigen Stellen
sogar fast noch wurzelhaft inne.
Gewiß war der Mensch der Prototyp alles Geschaffenen:
zu ihm hin, als zu „dem Schoßkind der Natur“ waren alle
Organisationen gebildet. Aber geschichtlicher Mensch wurde er
doch erst durch einen weiteren Eingriff der Elohim, durch ein
erneutes Zwischengreifen also der göttlichen Kraft als eines
Ganzen, das in diesem Falle unmöglich als immanent und
pantheistisch, sondern nur als transzendent und persönlich ge⸗
dacht werden kann. So ist die zweite Schöpfung der Beweis
eines unzerstörten Restes des Dualismus; und alsbald sehen
wir auch nach der zweiten Schöpfung das göttliche Prinzip noch
persönlich und keineswegs pantheistisch wirksam. Denn so gewiß
Herder die Geschichte wiederholt nur als konsequente Weiter—
entwicklung jener Vernunfttradition darstellt, die das Menschen⸗
geschlecht bei der zweiten Schöpfung von den Elohim erhalten
hat, so läßt er doch daneben auch immer wieder die An—
schauung als nicht zu unterdrückend zu, daß neben der Tradition
noch andere Mächte in der Geschichte schöpferisch walten: die
großen Personen z. B. und die Völkercharaktere, und daß auch
diese dem unmittelbaren Eingreifen Gottes ihr Dasein ver—
danken. Und der Gedanke tritt auf, daß sich die Weltgeschichte
auch nach der zweiten Schöpfung noch einer ganzen Reihenfolge
ununterbrochener schöpferischer Akte eines dualistisch begriffenen
Gottes erfreue.
Wo aber bleibt bei solchem Einwirken die Selbstherrlich—
keit des Subjektes? Sein Stolz beugt sich unter einen fremden