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Hauptnahrungsmittel der Bevölkerung ijt; eine Dekjatine erbringt
einen Gewinn von durchjehnittlid 100 Rubel*). Sehr wichtig für
die turkejtanijde Wirtjdhaft ijt der Anbau der Luzerne (eine Kleecart),
die die Stelle des Heus vertritt; an erntet die Luzerne 3—6mal
jährlid. Der Samen ift. ein Exportartifel nad) Wefteuropa und Umes-
rifa, eine Dekjatine erbringt 20—30 Pud Samen, welde 80 Kopeken
bis 1,20 Rubel pro Pud Kofteten. Die Ausfuhr betrug Ihon im
Sahre 1908 503200 Pud.
Bon größter Bedeutung für die gefamte wirt[haftlidHe Entwid-
lung Turkejftans it die Baumwollkultur, die dafelbit idon in
den ältejten Zeiten bekannt war. Die einheimijde Baumwolle ijt von
geringer Qualität, dagegen hat man mit der Einführung der amerifa-
nilden Baumwolle „Upland“ jehr gute Ergebnifje erzielt, diefe Sorte
verdrängt von Yahr zu Jahr mehr die einheimifdhen und ftellte vor
dem Kriege 75% der gejamten Baumwollproduktion Turkejtans dar.
Die ruflilde Regierung Hat alles getan, nit zulekt durd) ihre Zoll»
politif, um den Baumwollanbau zu fördern, einerfeits um von aus-
[ändijder Einfuhr unabhängig zu fein, andererfeits wohl um Turke-
jtan die wirtfdHhaftlide Selbjtändigkeit zu nehmen und feiter an [id
zu binden: das Land Konnte fid nicht jelbjt ernähren und war voll-
ftändig auf die Einfuhr rufjlijhen Getreides angewiejen, die jährlid)
15—18 Millionen Pud betrug; ent/tand wie im Kriege in der Zufuhr
eine Stodung, fo war Hungersnot und ein Rüdgang der Baumwoll-
produktion zugunjien des Getreidebaus die Folge (1916 um 30—40%),
Baumwolle wird in ganz Turkejtan gebaut, hHauptjächlih in den Niede-
rungen, aber aud) im Vorgebirge, 3/4 der turkeltanilhen Baumwolle
wird im Ferganagebiet erzeugt.
Groke Plantagen find eine Seltenheit, wenige nehmen mehr als
L00 Hektar ein. Hödftens ein Drittel der Felder werden zur Baum-
wollkultur verwandt, das betreffende Land wird im darauffolgenden
Sahr mit einer anderen Saat beitellt, da Baumwolle mehr als irgend-
eine andere Feldfrudht den Boden ausfaugt. Der Ernteertrag ijt ver-
IHieden: in den nördlidHen Provinzen redhnet man mit 45—50 Bud
RohHbaumwolle pro Dekjatine, in den jüdliden mit 60—65 Pud. Unter
günftigen Bedingungen Tfönnen die Erträge aud) zwei und Dreimal
jo groß Jjein. Bor dem Kriege war die Baumwollproduktion Iurke-
*) Die NMeiskultur wirkt ftellenweife auf die Bodenbe[Haffenheit günltig
ein — die [Hädliden Salze werden durch die reichlidge Bewällerung forte
gefpült, andererjeits begünitigt fie die Entwidlung von Krankheiten (Malaria)
und verbraucht unverhältnismäkig viel Waller. Die Reiskultur wird Haupt:
jädlid) betrieben in den Gebieten Syr-Darja, Samarkand, SemiretIhje und
Teragana.