Full text: Die wirtschaftliche Zukunft des Ostens

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Oftgrenze, und das fogenannte Kongreß-Polen kommt unter rujliiche 
Oberhobeit. 
Eine vorübergehende Epifode, die mande Wechjelwirkungen zeitigte, 
it die Einherrigieit Sacdhjens und Polens unter Augufjt dem Starken. 
Die Kriegerijden und politijHen Beziehungen zwijden Deutjdhen 
und Polen find jo alt, wie die beiden Bölfer Grenznadbarn find. Im 
Lauf der Zeit ift mandjes deutjde VBoliselement nad) Polen einge 
drungen und mandes polnijdhe in deutidhes Land; die wiederholten 
Grenzverihiebungen im Lauf eines Jahrtaulends haben das ihre Dazu 
beigetragen. 
Ohne den Lärm gleichzeitiger politijdher Ereignijje |ind friedliche 
Wanderungen vor [ih gegangen — polnijde und deutjde — wie 
Wellen, die fid immer von neuem wiederholen, jid) begegnen und fi 
freuzen. ‚Man denke nur an die polnijden Niederlaffungen in Welt- 
deut[Hland; ebenfo gibt es deutfhe NMiederlajjungen in Kongrekb-Polen, 
von denen man erft im Weltkrieg in der deutidhen Öffentlichkeit wieder 
etwas hörte. 
Die deutidje Städhtekultur war in alter Zeit für die Nadhbar- 
[änder vorbildligh. Wie nad) Ungarn und Böhmen, [o zogen aud nad 
Bolen auf den Ruf dortiger Landesherren zahlreide Deutidhe und grün- 
deten im fremden Lande mit deutjdem Recht privilegierte. deut[de 
Städte; unter anderen polnijden Städten ift aud Warihau von Deut- 
jhen gegründet. AWber im Lauf der Zeit affimilierten ji Ddieje erften 
deutfhen Infjeln ihrer ponifden Umwelt. Andere. Deutidhe kamen ins 
Land, Bürger und Bauern, und ließen fidh nieder; bejonders zur Zeit 
des Dreikigjährigen Krieges fand ein ftärferer Zujtrom jtatt; aber 
aud) diefe Deutidhen find zum größten Teil im Polentum aufgegangen. 
Die heutigen Deutjden in Kongrek-Polen verdanken ihren Urs 
jprung wohl Hauptjäclidh den deutihen Zuzligen in der zweiten Hälfte 
des 18. Yahrhunderts und hbejonders der inneren Kolonifation, die im 
preubijden Staatsgebiet und au in feinen um die Jahrhundertwende 
polnijden Landesteilen mit großem Erfolg zur Ausführung fam,. Das 
Wefjen diejfer inneren Kolonifation, die eine vorwiegend ländlidhe war, 
Harakterifiert [id dabei nidHt durd eine nationale, fondern durch eine 
cein wirtidhaftlide Tendenz. In der wirt|haftlihen Zwedmäbhigfeit 
beruht aud) das Geheimnis ihres Erfolges. Der Zwed aber war, un- 
bebaute Landitreden urbar zu maden, vom Boden Erträge, dem Staat 
Steuern und Untertanen zu gewinnen. Es ijt bekannt, daß Friedrich 
der Grohe in Preuken neben Deutfjdhen aus verjdhiedener Herren Län- 
dern audy Angehörige anderer Nationalitäten anjiedelte. Wenn das 
deut[de Element bei den Anfiedelungen jener Zeit in ver]diedenen 
Ländern überwog, fo lag das wohl daran, da; der deut/de Bauer 
feiner wirtichaftlihen Tüchtigkeit wegen als Anliedler bevorzugt wurde,
	        
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