293 —
9
€
mn
I
nl
;n
‚N
3t
Ag
dd
zz
‚ie
an
zT
Oftgrenze, und das fogenannte Kongreß-Polen kommt unter rujliiche
Oberhobeit.
Eine vorübergehende Epifode, die mande Wechjelwirkungen zeitigte,
it die Einherrigieit Sacdhjens und Polens unter Augufjt dem Starken.
Die Kriegerijden und politijHen Beziehungen zwijden Deutjdhen
und Polen find jo alt, wie die beiden Bölfer Grenznadbarn find. Im
Lauf der Zeit ift mandjes deutjde VBoliselement nad) Polen einge
drungen und mandes polnijdhe in deutidhes Land; die wiederholten
Grenzverihiebungen im Lauf eines Jahrtaulends haben das ihre Dazu
beigetragen.
Ohne den Lärm gleichzeitiger politijdher Ereignijje |ind friedliche
Wanderungen vor [ih gegangen — polnijde und deutjde — wie
Wellen, die fid immer von neuem wiederholen, jid) begegnen und fi
freuzen. ‚Man denke nur an die polnijden Niederlaffungen in Welt-
deut[Hland; ebenfo gibt es deutfhe NMiederlajjungen in Kongrekb-Polen,
von denen man erft im Weltkrieg in der deutidhen Öffentlichkeit wieder
etwas hörte.
Die deutidje Städhtekultur war in alter Zeit für die Nadhbar-
[änder vorbildligh. Wie nad) Ungarn und Böhmen, [o zogen aud nad
Bolen auf den Ruf dortiger Landesherren zahlreide Deutidhe und grün-
deten im fremden Lande mit deutjdem Recht privilegierte. deut[de
Städte; unter anderen polnijden Städten ift aud Warihau von Deut-
jhen gegründet. AWber im Lauf der Zeit affimilierten ji Ddieje erften
deutfhen Infjeln ihrer ponifden Umwelt. Andere. Deutidhe kamen ins
Land, Bürger und Bauern, und ließen fidh nieder; bejonders zur Zeit
des Dreikigjährigen Krieges fand ein ftärferer Zujtrom jtatt; aber
aud) diefe Deutidhen find zum größten Teil im Polentum aufgegangen.
Die heutigen Deutjden in Kongrek-Polen verdanken ihren Urs
jprung wohl Hauptjäclidh den deutihen Zuzligen in der zweiten Hälfte
des 18. Yahrhunderts und hbejonders der inneren Kolonifation, die im
preubijden Staatsgebiet und au in feinen um die Jahrhundertwende
polnijden Landesteilen mit großem Erfolg zur Ausführung fam,. Das
Wefjen diejfer inneren Kolonifation, die eine vorwiegend ländlidhe war,
Harakterifiert [id dabei nidHt durd eine nationale, fondern durch eine
cein wirtidhaftlide Tendenz. In der wirt|haftlihen Zwedmäbhigfeit
beruht aud) das Geheimnis ihres Erfolges. Der Zwed aber war, un-
bebaute Landitreden urbar zu maden, vom Boden Erträge, dem Staat
Steuern und Untertanen zu gewinnen. Es ijt bekannt, daß Friedrich
der Grohe in Preuken neben Deutfjdhen aus verjdhiedener Herren Län-
dern audy Angehörige anderer Nationalitäten anjiedelte. Wenn das
deut[de Element bei den Anfiedelungen jener Zeit in ver]diedenen
Ländern überwog, fo lag das wohl daran, da; der deut/de Bauer
feiner wirtichaftlihen Tüchtigkeit wegen als Anliedler bevorzugt wurde,