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rurigsfeiudlichen Buchs und, wie Einige berichten, nicht ohne
Rücksicht auf das Geld, welches er mit demselben, händlerisch
geredet, gemacht haben soll. Wie weit er selbst die Volks-
vermohrung in seiner Familie gefördert habe, ist streitig. Bei
Sismondi in Genf soll er einmal mit elf Töchtern erschienen
sein. Doch mögen Missvcrständniss und Humor hiebei die
weibliche Gefolgschaft in lauter Töchter verwandelt haben.
Nach ajpdern Berichten hätte er nur einen Sohn und eine
Tochter Uiinterlassen. Dies braucht jedoch kein Widerspruch
zu sein, da er sich durch die Malthussche Theorie selbst
ausgleichen lässt. Es könnten ja nachträgliche Verwüstungen
(positive checks) gewesen sein, welche die Elf reducirten.
TJebrigens spricht in Ermangelung genauerer Thatsachen die
Vermuthung eher für als gegen eine grössere Zahl, da die Ehen
der Geistlichen, aus dem Gesichtspunkt einer gesunden Bevöl
kerungstheorie betrachtet, in der Regel nichts weiter zu wün
schen übrig lassen, als dass es eine andere Gattung werden
möchte, durch die sie sich fruchtbar machen, damit die Zahl
nicht in Missverhältniss zu den Bedürfnissen der Gesellschaft
gerathe.
Was den sonstigen Charakter des ehrwürdigen Mitglieds
der anglicanischen Kirche betrifft, so war er von grosser Glätte,
und die Freunde haben an ihm den Mangel jeder wahrnehm
baren Leidenschaft gerühmt. Dem Kenner kann diese Eigen
schaft ein vortrefflicher Fingerzeig sein. In Verbindung mit
der sich in den Schriften bekundenden Gesinnung und Gefühls-
physionomie lehrt sie uns, was hinter dieser glatten Oberfläche
und sogenannten Liebenswürdigkeit waltete. In der That ist
zwischen dem Malthusschen System und dem Malthusschen
Charakter die Uebereinstimmung bis in die einzelnen Züge zu
verfolgen, und wer in der Ilauptschrift aufmerksam und mit
psychologischem ürtheil zu lesen versteht, wird fast aus ihr
allein alles für den Charakter Erhebliche zu reconstruiren ver
mögen. Bis in die logischen Schleichwendungen hinein kann
man die Consequenzen dieser widerwärtig glatten Bewegungen
verfolgen.
Die späteren Schriften, die während des Professorats ver
fasst wurden, machten kein besonderes Aufsehen und sind für
die Geschichte ziemlich gleichgültig. Ausser den obligaten
«Principien der politischen Oekonomie”, die aber noch nicht
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