II. 2. Die Bevölkerungsverschiebungen innerhalb der Stadt.
13
innerhalb des alten Festungsgürtels, der Altstadt
und Neustadt umfaßt, verstanden.
Entvölkerung des Stadtkerns in den Jahren
1880 bis 1910.
Volkszählung
Anfang
Dezember
Innere Stadt
Stadt
im ganzen
(Umfang
von 19lo)
Einwohner
zahl
Gebiet in 10 km
Umkreis von der
Börse
(also einschl.
Altona, Wands
bek, Harburg
usw.)
Einwohner
zahl
das Jahr 1880
= 100 gesetzt
1880
170 875
100
412 314
596 103
1885
163 891
95.9
474 439
685 768
1890
160 811
94,1
573 198
825 826
1895
141 245
82,7
625 552
903 916
1900
139 221
81,5
705 738
1 020 150
1905
127 757
74,8
802 793
1150 000
1910
102 069
59,7
931 035
1 269 440
Die Entvölkerung des Stadtkerns, die sogenannte
Citybildung, prägt sich in diesen Zahlen deutlich
aus. Die Bevölkerung der inneren Stadt, die im
Jahre 1880 noch 41,44 % der gesamten städtischen
Bevölkerung ausmachte, betrug im Jahre 1905
15,91 % und im Jahre 1910 nur noch 10,96 % der
Bewohner der Gesamtstadt. Die Wirkung dieser Ent
wicklung erstreckte sich über das Weichbild hinaus
auf die nähere Umgebung. Versteht man darunter
eine Kreisfläche von 10 Kilometern Radius mit der
im Stadtinnern zentral gelegenen Börse als Mittel
punkt, so ergibt sich für das Jahr 1880 eine Bevöl
kerung von 596103, die sich bis 1905 auf 1150 000
und bis 1910 auf rund 1269 400 Köpfe vermehrt hat.
Natürlich führt diese rein geometrische Auslegung
des Begriffes „nähere Umgebung“ zu gewissen Un
zulänglichkeiten bei der zahlenmäßigen Erfassung.
Wenn man z. B. den Tagesverkehr näher beobachtet,
so findet man, daß der Umkreis mit einem größeren
als dem 10 Kilometer-Radius zu ziehen ist oder daß
ihm wenigstens längs der Vor Ortsverkehrswege
Ausbuchtungen hinzugefügt werden müssen, um die
Orte einzuschließen, aus denen täglich Personen
ihrem Beruf in Hamburg nachgeh’en.
Vom Stadtkern aus ist naturgemäß zunächst auf
die nächste Umgebung ein Druck ausgeübt worden,
bis diese sich im Wirtschafts- und Bevölkerungs
charakter dem der Innenstadt näherte und nun ihrer
seits an dem Drängen nach den Außenbezirken teil
nahm. Als zur Zone dieser „inneren Agglomeration“
gehörig sind die Stadtteile St. Pauli, Rotherbaum,
St. Georg-Nord, Steinwärder und Kleiner Grasbrook
anzusehen, die zusammen im Jahre 1867: 63126,
1871: 77 920, 1880: 109 745, 1885: 126 807, 1890:
136 533, 1895: 140 672, 1900: 150383, 1905: 149 659
und 1910: 150 884 Einwohner aufwiesen. Auch der
an die innere Stadt grenzende westliche Teil von
St. Georg-Süd würde mit hierher zu rechnen sein,
kann aber technisch mit seiner Bewohnerzahl für
die in Betracht gezogenen Jahre nicht durchweg
ausgesondert werden und ist deshalb den äußeren
Stadtteilen zugerechnet.
Wir erhalten hiernach für die allgemeine Be
trachtung vier Zonen: 1. die innere Stadt, 2. die
angrenzenden Stadtteile, 3. die äußeren Stadtteile,
4. das nicht zur Stadt Hamburg gehörende, im
10 Kilometer-Umkreise liegende hamburgische und
preußische Gebiet. Setzt man die Einwohnerzahlen
dieser einzelnen Zonen sowie der Stadt im ganzen
(Zone 1 bis 3) und des 10 Kilometer-Gebietes für das
Anfangsjahr je gleich 100 und berechnet ferner für
jedes Jahr den Bevölkerungsanteil der Zonen am
Gesamtgebiet, so zeigt sich die in der folgenden
Tabelle 5 wiedergegebene Entwicklung.
Citybildung und Agglomerationszonen
in Hamburg von 1867 bis 1910.
Tab. 5.
1.
2.
3.
1. bis 3.
4.
1. bis 4.
Innere
Angren-
Äußere
Stadt
Außen-
10 km-
Stadt
Stadt
teile
Stadt
teile
Ham
burg
gebiet
Gebiet
1. Entw
icklung
der BewolmerzaM voll 100 im Jahre 1867:
1867 ....
100
100
100
100
100
100
1871 ....
100,i
123.4
132,6
111,4
lll,i
111,3
1880 ....
108.0
173,9
264,i
152,o
141,i
148,5
1885 ....
103,6
200,9
369,o
174,9
162,3
170,8
1890 ....
101,7
216,3
553,i
211,4
194,o
205,7
1895 ....
89,3
222,8
689,o
230,7
213,7
225,i
1900 ....
88,0
238,2
834,4
260,2
241,4
254,i
1905 ....
80,7
237,i
1053,3
296,0
266,6
286,5
1910 ....
64,5
239,2
1359,6
343,s
259,8
316,2
C
. Antei
1 obiger
Gebiete am Gesamtgebiet:
1.
2.
3.
1. bis 3.
4.
1. bis 4.
1867 ....
39,41
15,72
12,42
67,55
32,45
100
1871 ....
35,14
17,44
14,74
67,62
32,38
100
1880 ....
28,67
18.41
22,09
69,17
30,83
100
1885 ....
23,89
18,49
26,80
69,18
30,82
100
1890 ....
19,47
16,54
33,40
69,41
30,59
100
1895 ....
15,63
15,56
38,02
69,21
30,79
100
1900 ....
13,G5
14,74
40,79
69,i8
30,82
100
1905 ....
11,11
13,01
45,69
69,81
30,19
100
1910 ....
8,04
11,89
53,41
73,34
26,66
100
Aus den beiden einander ergänzenden Teilen der
Tabelle geht hervor, daß der Stadtkern (erste Zone)
sowohl absolut wie in seinem Anteil an der Gesamt
einwohnerzahl der 10 Kilometer-Kreisfläche be
deutend abgenommen hat, daß ferner die Zunahme
■ in der "zweiten Zone zum Stillstand gekommen ist
und somit auch der Anteil der Bewohnerzahl der
„angrenzenden Stadtteile“ an der Bewohnerschaft
I des Stadtgebietes nicht unbeträchtlich zurückgegan
gen ist. Die äußeren Stadtteile haben ihre Bewoh
nerzahl bedeutend gesteigert, und zwar verhältnis
mäßig stärker als die außerhalb der Stadt, aber
innerhalb des 10 Kilometer-Umkreises liegenden
Bezirke und Ortschaften. Es ist bemerkenswert, daß
die Zone der „äußeren Stadtteile“ allein eine un
unterbrochene Zunahme ihres Anteils an der
Gesamteinwohnerschaft der 10 Kilometer-Kreis
fläche aufzuweisen hat, die der ebenso ununter
brochenen Abnahme der Bevölkerung des Stadtkerns
entspricht.
Die Einwohnerzahl und deren
Wachstum oder Abnahme in den ein
zelnen Straßen liegt handschriftlich zur Ein
sicht für Interessenten im Statistischen Landesamt