Full text: Die Volkszählung vom 1. Dezember 1910 sowie die Ergebnisse der Bevölkerungsaufnahmen in den Jahren 1911 bis 1917 im hamburgischen Staate

III. Zusammensetzung der Bevölkerung nach dem Geschlecht. 
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Königreich Sachsen mit 321, Reuß ä. Linie mit 230, 
während die übrigen Staaten unter 200 Bewohner 
auf 1 qkm aufweisen (Mecklenburg-Strelitz 36). 
Verglichen mit dem Jahre 1871, wohnt die Be 
völkerung des Deutschen Reiches erheblich dichter. 
Damals kamen 76, im Jahre 1910 aber 120 Bewohner 
auf 1 qkm. Mit zunehmender Wohnungsdichte hält 
eine zunehmende Ungleichmäßigkeit in der Besiede 
lung gleichen Schritt. Die schon im Jahre 1871 am 
dichtesten bevölkerten Staaten: Hamburg, Bremen, 
Lübeck, Königreich Sachsen haben auch den ver 
hältnismäßig stärksten Zuwachs erfahren; dagegen 
haben sich die am dünnsten bevölkerten Staaten, 
beide Mecklenburg und Waldeck, am langsamsten 
weiter entwickelt. 
III. Zusammensetzung der Bevölkerung nach dem Geschlecht. 
Das zahlenmäßige Verhältnis der beiden Ge 
schlechter innerhalb eines bestimmten Gebietes wird 
durch natürliche und soziale Faktoren bestimmt. 
Während an und für sich die durch größere 
Lebensgefährdung in den meisten Altersstufen her 
vorgerufene ungünstigere Anteilsstellung des männ 
lichen Geschlechts durchweg durch einen natürlichen 
Knabenüberschuß ausgeglichen wird, führen vor 
allem die Wirkungen der Wanderungen zu einem 
von Jahr zu Jahr wechselnden Verhältnis. Obgleich 
im hamburgischen Staate auf 100 Mädchen durch 
schnittlich 106 Knaben geboren werden, überwiegt 
im Staate und in der Stadt trotzdem seit Jahrzehnten 
das weibliche Geschlecht; im Landgebiet aber macht 
seit 1880 das männliche Geschlecht einen immer 
größeren Teil der Bevölkerung aus. 
Während des letzten Jahrzehnts (1900—1910) 
hat sich im Staate und in der Stadt ein Ausgleich 
in den Zahlen der beiden Geschlechter angebahnt; 
der Männerüberschuß des Landgebietes nimmt 
weiter zu. 
Die wechselvolle Entwicklung dieser Verhältnisse 
kommt in der folgenden Zusammenstellung zum 
Ausdruck. Auf 100 männliche kamen weibliche 
anwesende Personen 
Tab. 11. 
im Jahre 
in der Stadt 
Hamburg 
auf dem 
Landgebiet 
im Staate 
1867 
101,89 
102,79 
101,82 
1871 
105,64 
101,21 
105,06 
1875 .... 
103,84 
100,74 
103,10 
1880 
105,56 
98,39 
104,89 
1885 
105,86 
97,86 
105,n 
1890 
102,26 
96,28 
101,77 
1895 
105,81 
95,89 
104,96 
1900 
105,16 
96,74 
104,45 
1905 
102,49 
94,18 
101,78 
1910 
101,86 
91,45 
100,96 
Eine weitere Gliederung der allgemeinen Zahlen 
läßt die Ursachen des Überwiegens des einen oder 
anderen Geschlechts sowie die Bedeutung dieser 
Tatsache besser hervortreten. 
Wie bei der Volkszählung 1905 wies das zu 
sammenhängende Gebiet der inneren Stadt nebst 
St. Georg-Süd und St. Pauli einen beträchtlichen 
Überschuß des männlichen Geschlechts auf. Eine 
besonders große Zunahme seit der letzten Volks 
zählung hat der Männerüberschuß in St, Pauli Süd 
erfahren;, die übrigen Teile der inneren Stadt zeigten 
ebenfalls eine zum Teil nicht unerhebliche Ver 
schiebung zugunsten des männlichen Geschlechts. 
Auch in Billwärder Ausschlag findet sich ein 
ähnliches Verhältnis. Dagegen überwog das weib 
liche Geschlecht in starkem Maße in den Stadtteilen 
Harvestehude, Hohenfelde, Rotherbaum, Eppendorf, 
Winterhude, Eilbeck und Uhlenhorst und nicht 
unbeträchtlich in Eimsbüttel und Borgfelde. Die 
südelbischen Stadtteile nahmen als Bestandteile des 
Freihafens und Standort der Auswandererhallen 
eine Sonderstellung ein. Der Frauenüberschuß in 
Harvestehude, der bereits im Jahre 1905 sehr stark 
war, hat sich im Laufe des letzten Jahrfünfts noch 
bedeutend verstärkt. Im allgemeinen deutet starker 
Frauenüberschuß in einzelnen Stadtteilen auf Wohl 
habenheit der Bevölkerung hin, da er meistens auf 
einen verhältnismäßig großen Anteil von Haus 
töchtern und Dienstmädchen und einen geringen 
Anteil von Einlogierern zurückzuführen ist. Einen 
zuverlässigen Wohlstandsgradmesser kann das 
Zahlenverhältnis der Geschlechter aber schon aus 
dem Grunde nicht abgeben, weil beim Zugrunde 
legen der ortsanwesenden Bevölkerung durch vor 
übergehend anwesende oder abwesende Personen 
eines Geschlechts (Hotelgäste usw.) leicht Zufällig 
keiten Einfluß gewinnen können. Besonders ist aber 
zu berücksichtigen, ob in dem betreffenden Bezirk 
usw. große Anstalten für das eine oder andere Ge 
schlecht vorhanden sind, deren Insassen großenteils 
aus anderen Bezirken stammen. Wenn die Land 
herrenschaft der Geestlande nur 85,08 weibliche auf 
100 männliche Personen zählte, so ist das haupt 
sächlich auf das in Fuhlsbüttel liegende Zentral 
gefängnis mit Korrektionsanstalt zurückzuführen. 
Im Amte Ritzebüttel beruht der auffallend geringe 
Anteil des weiblichen Geschlechts an der Bevölke 
rung auf der starken Garnison und den Schiffs 
insassen in Cuxhaven. Anstalten mit lediglich oder 
vorwiegend weiblichen Insassen waren andererseits 
nicht in genügender Zahl und Größe vorhanden, um 
das Gleichgewicht wieder herzustellen. Immerhin 
ist in einzelnen Gemeinden des Landgebiets ein 
beträchtlicher Frauenüberschuß zu beobachten, so 
in Groß Hansdorf-Schmalenbeck mit 113,14, in 
Groß Börstel mit 112,31, in Alsterdorf mit 110,33, 
in Gudendorf mit 114,75, in Stickenbüttel mit 108 
Frauen auf 100 Männer. Die große Gemeinde 
Finkenwärder zeigt mit 107,6 Frauen auf 100 Männer 
ebenfalls einen Frauenüberschuß, der sich daraus 
erklärt, daß viele Männer der Seefischerei obliegen 
und am Aufnahmetage vorübergehend abwesend 
waren. 
(Fortsetzung des Textes Seite 27.)
	        
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