Full text : Tote und lebendige Wissenschaft

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Individuum  willkürlich  und  etwas,  das  auf  es  selbst  beschränkt
bleiben  könnte,  tut,  noch  daß  ein  Kampf  atomistischer  Kraftzentren ­
  geführt  würde.

Wo  auch  immer  betrachtet,  bei  Tausch,  Wert,  Preis,  Markt,
Verteilung,  Zurechnung,  Eigennutz  und  Wettbewerb,  nie  zeigt
sich  Wirtschaft  als  Summe  und  Zusammensetzung  von  Einzelnem, ­
  sondern  stets  als  Gemeinbestand  von  Teilen  eines
Ganzen,  als  Ausgliederung  von  Ganzheit.  Ganzheit  zeigt  sich
als  die  wahre  Wirklichkeit,  Einzelheit  für  sich  genommen  nur
als  unterstellte  (fiktive),  bloß  durch  Abstraktion  gewonnene
Hilfsvorsiellung.  Alles  Zerstreute  und  Vereinzelte  bedeutet
Tod  und  Nichtigkeit;  Leben  und  Wahrheit  kommt  allein  aus
der  ursprünglich  quellenden  Innenkraft  der  Ganzheit,  die  sie
den  Gliedern  mitteilt.  Alles  was  ist,  ist  aus  einem  Gusse
oder  gar  nicht.
So  offenbart  sich  zuletzt  auch  hier  wieder  der  Urgegensatz
von  individualistischer,  am  Einzelnen  verarmter,  toter  und
universalistischer,  aus  dem  Vollen  schöpfender,  lebendiger
Wissenschaft.  Die  tote  Wissenschaft  kann  Wirklichkeit  nicht  erklären; ­
  die  lebendige  Wissenschaft  allein  geht  auf  die  erste
und  umfassende  Wirklichkeit,  auf  die  Ganzheit,  zurück,  welche
der  Grund  und  Boden,  der  keimkräftige  Anfang  für  alles  Besondere ­
  und  Gliedhafte  ist.  Die  tote  Wissenschaft  führt  in  eine
falsche  Welt,  welche  eine  Kette  von  Trug  und  Selbstvernichtung
ist;  die  auf  Ganzheit  gerichtete  Wissenschaft  in  das  wabre,
unauflösliche  Leben.
            
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