130
schäftsfreund des Wiener Wirtschafters in Linz oder in Zürich
wohnt — das ist dann ganz gleichgültig. Vom rein wirtschaft
lichen Standpunkte aus ist es ein durchaus willkürlicher Schnitt,
der da gemacht wird: Man könnte auch die Bilanzen aller
Linzer, aller Züricher, aller australischer Geschäftsfreunde zu
sammenstellen und miteinander vergleichen — daß gerade jene
Wirtschafter, die in „Österreich" wohnen, zusammengezählt
werden, ist danach vollständig irrational. — Es ist immer das
selbe individualistische Lied: die Wirtschaft entsteht dadurch,
daß einzelne Wirtschafter ihre Handlungen vollziehen und diese
Handlungen zusammenstellen! Der ganzheitliche Standpunkt
ist nun hier ein genau umgekehrter: Nicht die Summierung
der Privatbilanzen macht die Zahlungsbilanz aus; sondern
die Zahlungsbilanz — z. B. mittels der durch sie
bewirkten Bewegung der Valutenkurse — ist die Bedin
gung, unter der die Privatbilanzen stehen,
die Bedingung, unter der sie allein diese oder jene Gestalt an
nehmen können. Wenn infolge der passiven Zahlungsbilanz
der Preis der Schweizer Franken steigt, dann ist es für den
Wiener Kaufmann plötzlich nicht mehr gleichgültig, ob sein
Geschäftsfreund in Linz oder Zürich wohnt, und die arteigene
Verbundenheit aller österreichischer Wirtschafter in einem ge
meinsamen Kapital höherer Ordnung (dem Währungswesen)
kommt plötzlich zur Erscheinung.
Vom Standpunkte unserer Stufentafel aus erweist sich die
Zahlungsbilanz als jene Erscheinung, welche die Eigenschaft
der Volkswirtschaft, mit anderen Volkswirtschaften in organischer
Verbindung, d. h. Glied der Weltwirtschaft zu sein, zum Aus
druck bringt. Kurz gesagt, zeigt die Zahlungs-
und Handelsbilanz die jeweilige glied-
liche Stellung der Volkswirtschaft in der
Weltwirtschaft an. Es wäre falsch, zu glauben, daß
sie nur das Verhältnis des eigenen Geldes — eines inneren