Full text : Tote und lebendige Wissenschaft

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lichbar,  die  frei  geregelte  Wirtschaft  vorübergehend  geschichtlich
möglich  und  die  ständisch  gebundene  Wirtschaft  die  eigentliche
und  wesensgemäße,  die  einzig  wahrhaft  wirkliche  Wirtschaftsform. ­
  Kurz  ausgedrückt  läßt  sich  auch  sagen:  Von  den  genannten ­
  vier  Wirtschaftsformen  sind  die  ersten  beiden  utopisch,
die  letzten  beiden  allein  in  der  Wirklichkeit  möglich,  davon
jedoch  nur  die  letzte  dauernd  und  wahrhaft  möglich.
3.  In  der  Geschichte  gibt  es  keine  Entwicklung  von  urkommunistischen
  Zuständen  durch  immer  weniger  gebundene
hindurch  zum  Kapitalismus,  dem  schließlich  wieder  ein  geläuterter ­
  Kommunismus  folgen  würde,  wie  die  Lehre  Marrens ­
  und  annähernd  auch  die  heute  vorherrschende  Lehre
23^0:61)  behauptet;  sondern  nur  ständisch  gebundene  Wirtschaft ­
  mit  verhältnismäßig  vorübergehenden  Schwankungen
frei  geregelter  Wirtschaft.  Der  Wechsel  dieser  beiden  Wirtschaftsformen ­
  ist  nicht  durch  mechanische,  dem  Wirtschaftskörper ­
  innewohnende  „Naturgesetze"  oder  „Entwicklungsgesetze" ­
  bestimmt,  sondern  ist  von  den  geistigen  Bedingungen
abhängig,  unter  denen  eine  geschichtliche  Wirtschaft  jeweils
steht.

1.  Oie  reine  verkehrswirtschaft.
Der  Begriff  der  rein  individualistisch  gedachten  oder  sog.
freien  Verkehrswirtschaft  beruht  auf  derjenigen  Art,  sich  das
wirtschaftliche  Geschehen  vorzustellen,  die  wir  Heutigen  allein
zu  üben  gewohnt  sind.  Die  äußere  Erfahrung,  so  sagt  etwa
diese  Auffassung,  zeigt  uns  überall  zunächst  nur  einzelne  Stücke
von  wirtschaftlichen  Dingen,  insbesondere  einzelne  Handlungen
einzelner  Wirtschafter.  Aus  ihnen  ist  die  Wirtschaft  zusammengesetzt, ­
  zusammen-gestellt,  gleichsam  summiert,  zusammen-gestückelt!
  —  Durch  die  individualistischen  Klassiker  der  Volks-*)
  Bücher,  Entstehung  der  Volkswirtschaft,  11.  Aufl.  Tübingen  1919;
ders.,  Die  Sozialisierung,  2.  Aufl.  Tübingen  1919.
            
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