6
wirtschaftslehre ist diese an den handgreiflichen äußeren Augen
schein anknüpfende Denkweise wissenschaftlich so ausgebildet
worden, daß wir uns die wirkliche Wirtschaft auf eine andere
als die angegebene summative, auf eine andere als grund
sätzlich atomistisch-verkehrswirtschaftliche Art kaum noch vor
stellen können! Wir pflegen heute im Grunde jeden Wirtschafts
vorgang so zu denken, daß irgendein bestimmter Einzelner eine
wirtschaftliche Handlung von sich aus vornimmt und auf diese
Weise schließlich die Gesamtheit der Wirtschaft, die Volkswirt
schaft, zusammengesetzt wird. Wir sehen z. B.: daß ein Ar
beiter seine Arbeitsleistung anbietet oder an der Drehbank
eine Arbeitsleistung vollzieht, daß ein Unternehmer eine neue
Maschine einstellt, oder sein Erzeugnis anbietet; daß ferner
ein Börseaner gewisse Papiere kauft, um andere zu verkaufen —
lauter für sich dastehende „einzelne" Handlungen. Wir pflegen
uns dabei ferner jeden wirtschaftlichen Vorgang, jeden Tausch
wie jede Erzeugung als eine auf Selbstentschließung
der Einzelnen beruhende Handlung zu denken, die lediglich
dem Einzelnen selbst anheimgegeben ist.
Ich nenne dieses Merkmal unserer heutigen Vorstellung
vom Wirtschaften, daß nämlich die Handlungen auf der eigenen,
der subjektiven Entschließung und Tat des Einzelnen beruhen,
das Merkmal des individuellen Ursprungs der Wirtschaft.
Das zweite Grundmerkmal, das man bei jener Art, die
Wirtschaft vorzustellen, mitdenkt, nämlich: Das Zusammen
treffen der Handlungen mehrerer Wirtschafter, wofür das
Wort „Verkehr" gebraucht zu werden pflegt, nenne ich das
Merkmal des Verkehrs. Im sog. „Verkehr" kommt das Merkmal
des individuellen Ursprungs der Wirtschaft erst zur Erscheinung.
Man stellt sich vor, daß die Wirtschaft aus Beiträgen der Ein
zelnen zusammengesetzt wird, und daß also die Erscheinungs
form dieser Zusammensetzung oder Zusammenlegung der Hand
lungen der „Verkehr" sei.