Full text: Tote und lebendige Wissenschaft

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wirtschaftslehre ist diese an den handgreiflichen äußeren Augen 
schein anknüpfende Denkweise wissenschaftlich so ausgebildet 
worden, daß wir uns die wirkliche Wirtschaft auf eine andere 
als die angegebene summative, auf eine andere als grund 
sätzlich atomistisch-verkehrswirtschaftliche Art kaum noch vor 
stellen können! Wir pflegen heute im Grunde jeden Wirtschafts 
vorgang so zu denken, daß irgendein bestimmter Einzelner eine 
wirtschaftliche Handlung von sich aus vornimmt und auf diese 
Weise schließlich die Gesamtheit der Wirtschaft, die Volkswirt 
schaft, zusammengesetzt wird. Wir sehen z. B.: daß ein Ar 
beiter seine Arbeitsleistung anbietet oder an der Drehbank 
eine Arbeitsleistung vollzieht, daß ein Unternehmer eine neue 
Maschine einstellt, oder sein Erzeugnis anbietet; daß ferner 
ein Börseaner gewisse Papiere kauft, um andere zu verkaufen — 
lauter für sich dastehende „einzelne" Handlungen. Wir pflegen 
uns dabei ferner jeden wirtschaftlichen Vorgang, jeden Tausch 
wie jede Erzeugung als eine auf Selbstentschließung 
der Einzelnen beruhende Handlung zu denken, die lediglich 
dem Einzelnen selbst anheimgegeben ist. 
Ich nenne dieses Merkmal unserer heutigen Vorstellung 
vom Wirtschaften, daß nämlich die Handlungen auf der eigenen, 
der subjektiven Entschließung und Tat des Einzelnen beruhen, 
das Merkmal des individuellen Ursprungs der Wirtschaft. 
Das zweite Grundmerkmal, das man bei jener Art, die 
Wirtschaft vorzustellen, mitdenkt, nämlich: Das Zusammen 
treffen der Handlungen mehrerer Wirtschafter, wofür das 
Wort „Verkehr" gebraucht zu werden pflegt, nenne ich das 
Merkmal des Verkehrs. Im sog. „Verkehr" kommt das Merkmal 
des individuellen Ursprungs der Wirtschaft erst zur Erscheinung. 
Man stellt sich vor, daß die Wirtschaft aus Beiträgen der Ein 
zelnen zusammengesetzt wird, und daß also die Erscheinungs 
form dieser Zusammensetzung oder Zusammenlegung der Hand 
lungen der „Verkehr" sei.
	        
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