Full text: Tote und lebendige Wissenschaft

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Eduard Meyers in entscheidenden Einzelheiten angegriffen 
wurde, ist und bleibt sie dennoch typisch für den Geist unserer 
ganzen heutigen Wirtschaftsgeschichte. Eduard Meyer hat zwar 
gezeigt, daß kapitalistische Verkehrswirtschaft schon im Altertum 
vorhanden war; Pöhlmann^) hat sozialistisch und kommu 
nistisch geartete Revolutionen schon im Altertum nachgewiesen 
(wenn auch wohl allzu sehr mit modernen Augen gesehen); 
v. Below^) hat die von Bücher gegebene Stufenfolge (mit 
kritischen Vorbehalten) nur als Typenlehre, nicht aber als 
I geschichtliche Reihe gelten lassen und damit einen sehr wich 
tigen Einwand gemacht; Sombart, Mar Weber u. a. haben 
ihre Einwendungen vorgebracht — aber die Grundzüge des 
Ganzen wurden zuletzt doch von allen Gegnern stehen gelassen; 
Dopsch^) vielleicht am meisten hat, indem er die kommu 
nistische Art der germanischen Markgenossenschaft am entschie 
densten ablehnte, die Geschlossenheit der Hauswirtschaft (wie 
schon v. Below) verneinte und für die Karolingerzeit eine 
kapitalistische Welle annahm, an den Sinn der Bücherischen 
Gesamtkonstruktion gerührt. 
All dem gegenüber muß hervorgehoben werden, daß die 
Bücherische Einteilung aber nicht nur als Stufenfolge, also 
als geschichtliche Entwicklungslehre, unannehmbar ist; sondern 
sie ist auch systematisch, sie ist auch als Typen 
lehre falsch. Dies sofern sie den „Weg des Produktes" (vom 
Erzeuger bis zum Verbraucher) als Einteilungsgrund nimmt 
und noch allgemeiner darum: weil sie von der Einzelwirtschaft 
ausgeht! Denn einen Einteilungsgrund für die Wirtschafts- 
*) Die wirtschaftliche Entwicklung des Altertums, Jena 1895. 
2 ) Geschichte der sozialen Frage und des Sozialismus in der an 
tiken Welt, 2. Ausl., München 1912, 2 Bde. 
3 ) Probleme der Wirtschaftsgeschichte, 1920, S. 171 ff., 192ff. 
4 ) Grundlagen der europäischen Kulturentwicklung, I, Wien 1918, 
II, 1920.
	        
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