Full text: Tote und lebendige Wissenschaft

72 
Preis ganz anders stellen — abgesehen davon, daß die Vor 
aussetzungen für den Markt, die Böhm-Bawerk macht, über 
haupt nicht zu Ende gedacht werden können, daß sie wider 
spruchsvoll sind und darum der ganze Ansatz seiner Preislehre 
in der gegebenen Form unbrauchbar ist (wie ich an anderem 
Orte nachwies)'). Böhms Schema ist nicht, wie er meint, 
ein solches „von äußerster Einfachheit", das hinterdrein „aus 
zugestalten" wäre^), sondern ein wesenswidriges, weil es die 
subjektiven Schätzungen als primäre auffaßt, statt die im 
Gliederbau der Volkswirtschaft liegenden Prämissen der sub 
jektiven Erwägungen als primäre zu behandeln! 
Wenn aber jeder Preis, wie wir sahen, ein besonderer ist, 
wenn es nur abgestufte Preise geben kann, folgt daraus, um 
es in der üblichen individualistischen Ausdrucksweise zu sagen: 
Es gibt grundsätzlich keinen für den ganzen Markt gleichen, 
idealen Wettbewerbspreis, sondern nur monopoloide Preise. 
Alle wirklichen Preise sind monopoloide 
Preise. Das „Monopol" kommt da weder von einem 
rechtlichen Monopol (wie bei der Eisenbahn) noch von der 
Machtstellung usf. her, sondern zuletzt von der Unwiederhol 
barkeit der gliedhaften Stellung jedes Betriebes, jeder Hand 
lung, jedes Gutes in der Volks- und Weltwirtschaft. 
Au 4.: Der gegebene Preisbegrisf schließt ferner in sich, 
daß der Preis, wenn er von einem früheren Stande abweicht, 
auch eine Änderung seiner Grundlagen anzeigt. Die Preis- 
Änderung ist daher von ganz besonderer Bedeutung, sie 
zeigt an, daß die jeweilige Gliederung der Wirtschaftsmittel, die 
jeweilige Verhältnismäßigkeit aller Unterganzen in einer Ver 
schiebung begriffen ist! Um lins die Grundtatsache „Gliede 
rung" klarzumachen, niußten wir ein Augenblicksbild vollen- 
i) Dgl. mein „Fundament", § 19; zum Folgenden auch nieinen Art. 
„Eigennutz" im Hdwb. d. Staatsw., 4. Ausl., Jena 1925. 
a. a. O. S. 286.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.