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Preis ganz anders stellen — abgesehen davon, daß die Vor
aussetzungen für den Markt, die Böhm-Bawerk macht, über
haupt nicht zu Ende gedacht werden können, daß sie wider
spruchsvoll sind und darum der ganze Ansatz seiner Preislehre
in der gegebenen Form unbrauchbar ist (wie ich an anderem
Orte nachwies)'). Böhms Schema ist nicht, wie er meint,
ein solches „von äußerster Einfachheit", das hinterdrein „aus
zugestalten" wäre^), sondern ein wesenswidriges, weil es die
subjektiven Schätzungen als primäre auffaßt, statt die im
Gliederbau der Volkswirtschaft liegenden Prämissen der sub
jektiven Erwägungen als primäre zu behandeln!
Wenn aber jeder Preis, wie wir sahen, ein besonderer ist,
wenn es nur abgestufte Preise geben kann, folgt daraus, um
es in der üblichen individualistischen Ausdrucksweise zu sagen:
Es gibt grundsätzlich keinen für den ganzen Markt gleichen,
idealen Wettbewerbspreis, sondern nur monopoloide Preise.
Alle wirklichen Preise sind monopoloide
Preise. Das „Monopol" kommt da weder von einem
rechtlichen Monopol (wie bei der Eisenbahn) noch von der
Machtstellung usf. her, sondern zuletzt von der Unwiederhol
barkeit der gliedhaften Stellung jedes Betriebes, jeder Hand
lung, jedes Gutes in der Volks- und Weltwirtschaft.
Au 4.: Der gegebene Preisbegrisf schließt ferner in sich,
daß der Preis, wenn er von einem früheren Stande abweicht,
auch eine Änderung seiner Grundlagen anzeigt. Die Preis-
Änderung ist daher von ganz besonderer Bedeutung, sie
zeigt an, daß die jeweilige Gliederung der Wirtschaftsmittel, die
jeweilige Verhältnismäßigkeit aller Unterganzen in einer Ver
schiebung begriffen ist! Um lins die Grundtatsache „Gliede
rung" klarzumachen, niußten wir ein Augenblicksbild vollen-
i) Dgl. mein „Fundament", § 19; zum Folgenden auch nieinen Art.
„Eigennutz" im Hdwb. d. Staatsw., 4. Ausl., Jena 1925.
a. a. O. S. 286.