Full text: Tote und lebendige Wissenschaft

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weil ursächlich bestimmte, Hergänge entstehen. Ebenso be 
trachtet der individualistische Wirtschaftsforscher den Markt. 
Dieser ist ihm der Bottich, in welchem verschiedene Reagentien 
(die Wirtschaftsatome, die einzelnen Tauscher, bzw. ihre 
Tauschhandlungen) brodeln und brauen und eindeutig be 
stimmte Folgeerscheinungen m diesem mechanischen Aufein- 
ander-Wirken erzeugen, z. B. Preise als „Gleichgewicht" von 
Angebot und Nachfrage. „Wertgesetze", „Preisgesetze", „Ver 
teilungsgesetze" sind der Ausdruck solcher ursächlicher Ver 
kettungen, sind die „Naturgesetze" der Wirtschaft. 
Im physiokratischen „orctre naturel" kam diese Lehre von der Natur- 
gesetzlichkeit der Wirtschaft zum ersten Male zu einem vollendeten Aus 
druck, seither ist sie die Grundlage jeder Preistheorie geworden. 
Diesen Boden muß die universalistische Auffassung gänz 
lich verlassen, und es ist dies vielleicht die schwerste Zumutung, 
welche an den gestellt wird, der in der bisherigen (ursächlichen, 
individualistischen) Denkweise groß wurde. Zwar sind die 
Wirtschaftsvorgänge für die universalistische Auffassung nicht 
minder eindeutig bestimmt als für die individualistische, je 
doch nicht auf dem Boden der Ursächlichkeit. An Stelle der 
Kategorie Ursache—Wirkung tritt für die universalistische Auf 
fassung die Kategorie Ganzheit—Glied. „Gliederung" des 
Ganzen in Teile, „Gliedlichkeit" der Teile, sinnvolle „Ent 
sprechung" (Korrelation) der Glieder untereinander und im 
Ganzen (wie Herz und Lunge, Nerven- und Muskelsystem 
einander entsprechen), das sind die Kategorien, die Denk 
formen, in denen sich die volkswirtschaftliche Erkenntnis abspielt. 
Ein „Warum" und „Weil" gibt es auch für uns: 
aber nur als sinnvolles Warurn, als gliedliches 
Warum, nicht als mechanisches, kausales! Z.B. ist 
das Warum des „Gesetzes" von Angebot und Nachfrage für 
uns kein mechanisch-ursächliches, wie es für den Individualisten 
in „Menge" oder „Gleichgewicht" der Waren liegt. Für uns
	        
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