Full text: Die konsumgenossenschaftliche Gütervermittlung, ihre Technik und wirtschaftliche Bedeutung

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daß die Vertragslieferanten die Mitglieder vielfach mit Waren zwei 
ter Qualität bedienten." Unsere reichsdeutschen Konsumvereine 
führen ähnliche Klagen über den Lieferantenverkehr. 
Ter Konsumverein Dortmund-Hamm schreibt in einem seiner 
Geschäftsberichte: „Der Lieferantenverkehr bringt uns immer wieder 
eine Menge Beschwerden über unordnungsmäßige Bedienung der 
Mitgliedschaft ein." In dem Handbuch für Konsumvereine von 
O p p e r m a n n und H ä n t s ch k e finde ich folgende Bemerkung 
darüber: 
„In öffentlichen Versammlungen haben frühere Lieferanten 
selbst erklärt, daß sie an Kunden, die sich als Mitglieder eines mit 
ihnen im Vertrag stehenden Konsumvereins legitimierten, ininder- 
wertige Ware zu höheren Preisen verabfolgt hätten."^) 
Auch Henry Fauch er re 12 13 ) macht ähnliche 'Bemerkungen. Von 
den Brotlieferanten sagt er, daß sic sich schadlos zu halten suchten 
durch Lieferung leichterer Ware, sogenannter „Konsumbrote", und 
die Fleischer bekundeten eine eigene Routine darin, die gewährten 
Prozente aus den Fleischstücken wieder „herauszuschneiden". Ander 
seits betont er aber, daß eine Reihe von Konsumvereinen sich über 
den Lieferantenverkehr lobend aussprechen. 
Ich habe selbst verschiedentlich in großen Vereinen bezüglich 
der vorgenannten Klagen Nachfrage gehalten. In der Regel wurde 
mir geantwortet, daß die Bedienung der Mitglieder in großen, 
leistungsfähigen Geschäften keinen Anlaß zu Klagen gebe, wohl aber 
in kleinen Geschäften. Das ist ja auch erklärlich, da in kleineren. 
Geschäften das Konsumvereinsmitglied als solches schnell bekannt ist, 
womit natürlich nicht in jedem Falle eine unreelle Bedienung ver 
bunden sein muß. 
Der Lieferantenverkehr hat aber auch noch in anderer Beziehung 
nachteilige Begleiterscheinungen gezeigt. Die Konsumgenossenschaft 
„Hoffnung" in Köln weiß von Gewerbetreibenden zu berichten, die 
sich unrechtmäßig in den Besitz ihrer Bons gesetzt haben. Nach 
dem Mitteilungsblatt der genannten Genossenschaft besteht weiter 
eine Schwierigkeit darin, daß sich Geschäfte bestimmter Branchen 
nicht selten zu Kolonialwarengcschäften entwickeln und die Bons auch 
dann noch weiter ausgeben und so der Konsumgenossenschaft K o n- 
kurrenz machen. Diese Gefahr der Konkurrenz liegt überhaupt 
vor bei Geschäften, die außer den vertraglich festgelegten noch andere 
12 ) 0 £ p e t m et tt n und Häntschke, a. a. O. S. 104. 
13 ) Henry Faucherr e: Die Händler-Rabattsparvereine. Jena 1912. S. 5 ff.
	        
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