Full text : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

96

diese  hatten  die  Absicht,  ein  Gutachten  der  obersten  Justizstelle
einzuholen,  um  dem  Parlament  gegenüber  vor  aller  Verantwortlichkeit ­
  gesichert  zu  sein.
So  standen  die  Dinge  im  Jahre  1803.  Inzwischen  war  Lorentz
an  der  Arbeit  gewesen,  und  als  der  Kurfürst  vor  den  Franzosen
hatte  fliehen  müssen,  betrieb  er  bei  der  Tresorene  die  Abschlagzahlungen ­
  auf  die  Extraordinarienrechnung,  die  man  hessischerseits
auf  nahezu  127  000  £  festgesetzt  hatte,  mit  besonderem  Eifer
Er  wurde  dabei  von  Buderus,  dem  die  ganze  Vorbereitung  und
Formierung  der  Extraordinarienrechnung  oblag,  sachkundig  und
emsig  unterstützt.  Man  hatte  Erfolg.  Im  Jahre  1807  wurden
insgesamt  55  000  £  ausgezahlt,  im  Jahre  1810  45  150  £.  Aue
diese  Zahlungen  gingen  durch  die  van  Motten 154 .
Was  dem  Kurfürsten  von  dem  auf  dem  Festland  domizilierten
Vermögen  verloren  ging,  ist  bereits  oben  bei  Erzählung  der  Affäre
Lagrange  angedeutet  worden.  Außer  den  Schuldbriefen  zum  Verzeichnis ­
  der  11  Millionen  Taler  wurden  selbstverständlich  die  Barbestände ­
  der  herrschaftlichen  Kassen  von  den  Franzosen  beschlagnahmt. ­
  Ein  merkwürdiger  Fall  aber  hatte  es  gefügt,  daß  diese
Bestände  zu  jenem  Zeitpunkt  sehr  gering  waren.  Des  Kurfürsten
unrechtmäßige  Kinder,  die  Fiessenstein,  Heimrod  und  Haynau,  hatten
in  den  Jahren  1803  und  1804  um  einen  hohen  Preis  Guter  in
Mecklenburg  erworben.  Im  April  1806  nahm  der  Kurfürst  ihnen
diese  Güter  wegen  des  damit  verbundenen  Aufwands  wieder  ab
und  übergab  sie  der  Oberrentkammer  zur  Verwaltung.  Im  August
des  Jahres  1806  kaufte  die  Güter  der  Erblandmarschall  Graf
Karl  von  Hahn  zu  Remplin.  Der  Kaufpreis  von  700000  rf  wurde
aber  nicht  etwa  alsbald  ausgezahlt,  sondern  der  Graf  blieb  ihn
schuldig  und  verzinste  ihn  mit  3  Prozent.  Außerdem  wurde  zur
Bedingung  gemacht,  daß  dem  Grafen  Hahn  noch  obendrein  ein
Kapital  von  600  000  rf  zu  4°/o  geliehen  werde,  und  daß  alsbald
eine  Abschlagszahlung  hierauf  von  200  000  rf  in  Pistolen  ä  5  rf
erfolge.  Am  1.  August  war  die  Oberrentkammer  zur  Auszahlung
dieses  Betrages  von  200  000  rf  angewiesen,  sie  erborgte  ihn  beim
Oberkriegszahlamtsagenten  Michel  Simon  in  Kassel  und  hatte  ihn
am  1.  November  bis  auf  einen  Rest  von  8000  rf  wieder  abgetragen.
Der  seitens  der  Gräflich  Hessensteinschen,  von  Heimrod-  und  von
Haynauschen  Vermögensadministrationen  für  die  Güter  aufgewendete
Kaufpreis  war  von  den  herrschaftlichen  Kassen  ersetzt  worden.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.