Der Name Rothschild und das sogenannte
Rothschildsche Stammhaus.
Man weiß nicht, woher die Familie Rothschild nach Frankfurt
eingewandert ist. Nach einer Familientradition sollen die Roth
schild aus Dänemark stammen und ihren Namen von der Stadt
Roskilde (deutsch: Rothschild) führen. Diese Herleitung des Namens
ist aber nicht zutreffend. Es kann keinem Zweifel unterliegen,
daß der Name Rothschild von einer Hausbezeichnung der Frank
furter Judengasse übernommen wurde. Die Häuser dieser Gasse
waren nach Schildern benannt, die ursprünglich nach Art unserer
ländlichen Wirtshausschilder quer über der Straße hingen. Nach
dem Brande vom Jahre 1711, der alle Häuser der Judengasse
zerstört hatte, wurden diese Schilder in den Steinpfeilern des
Erdgeschosses oder auf den Schlußsteinen über den Haustüren
eingemeißelt. Gegebenenfalls waren sie auch bemalt. Nicht selten
kam es vor, daß der Name des Hauses zum Familiennamen der
Insassen wurde, den diese auch dann beibehielten, wenn sie in
ein anderes Haus zogen. So geschah es auch mit dem Namen der
Familie Rothschild. Isak Elchanan (f 1585), der Sohn Elchanans,
des ältesten in Frankfurt nachweisbaren Familiengliedes, ließ
sich in der Judengasse ein Haus bauen, das zum roten Schild
benannt wurde. Er wohnte darin mit seiner Frau Esther vom
Jahre 1567 ab und erhielt den Beinamen zum roten Schild. Sein
Enkel Naftali Hirz zum roten Schild (f 1685) verließ jenes Haus
und zog in das Haus zur Hinterpfann. Hier verblieb die stamm
haltende Familie, die sich von jetzt ab nicht mehr zum roten
Schild, sondern Rothschild nannte, fünf Generationen hindurch.
Erst Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Bankhauses,
bezog eine andere Wohnung, nämlich das Haus Nr. 148 zum grünen
Schild, das er in den Jahren 1783 und 1785 käuflich erwarb.
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