Full text : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

Dieses  Haus  und  das  südlich  anschließende  Nebenhaus  zur  goldenen
Arche  stehen  heute  noch.  Sie  sind  die  einzigen  Überbleibsel  der
ehemaligen  Judengasse,  und  man  bezeichnet  die  beiden  mit  gemeinsamem ­
  Dachfirst  und  gemeinsamem  Zwerchhaus  versehenen  Gebäude ­
  kurzweg  als  das  Rothschildsche  Stammhaus.
Als  Meyer  Amschel  Rothschild  im  Jahre  1812  gestorben  war,
ging  sein  Haus  samt  Inventar  in  den  lebenslänglichen  Besitz  und
Genuß  seiner  Witwe  über.  Diese  starb  am  7.  Mai  1849.  Die
Hälfte  des  Hauses  fiel  jetzt  an  den  ältesten  Sohn  Amschel  Mayer,
den  Chef  des  Frankfurter  Bankhauses.  Es  scheint,  daß  er  auch
die  andere  Hälfte  seinen  Geschwistern  abkaufte.  Um  den  Verfall
des  Gebäudes  zurückzuhalten,  erteilte  man  später  einem  Angestellten
des  Frankfurter  Bankhauses,  namens  Ruben  Oppenheim,  die  Erlaubnis, ­
  darin  Wohnung  zu  nehmen.  Doch  war  der  Ruin  des  alten
Gebäudes,  das  kurz  nach  dem  Brand  vom  Jahre  1711  erbaut
worden  war,  nicht  lange  mehr  aufzuhalten.  Im  Jahre  1872  mußte
Oppenheims  Witwe  ihre  Wohnung  daselbst  aufgeben,  und  das  baufällige ­
  Haus  wurde  geschlossen.
Schon  in  den  dreißiger  und  vierziger  Jahren  waren  Häuser
der  Judengasse  auf  Anordnung  des  Polizei-  und  des  Bauamtes
wegen  Baufälligkeit  niedergerissen  worden,  und  seit  jener  Zeit
war  die  Stadtkämmerei  bemüht,  die  seitherigen  Besitzer  solcher
Behausungen,  deren  Grund  und  Boden  von  jeher  Eigentum  der
Stadt  war,  zu  einer  Verzichtleistung  auf  ihre  superfiziarischen
Rechte  zu  veranlassen,  oder  die  Häuser  selbst,  soweit  sie  noch
vorhanden  waren,  zu  erwerben.  Zunächst  richtete  sie  ihr  Augenmerk ­
  vorzugsweise  auf  die  westliche  Reihe,  deren  letztes  Haus  im
Jahre  1872  niedergelegt  wurde.  Auf  der  Ostseite  waren  damals
noch  zahlreiche  Häuser  in  Privatbesitz,  und  da  viele  Eigentümer
zu  hohe  Forderungen  stellten  oder  überhaupt  nicht  geneigt  waren,
ihre  Häuser  aus  freier  Hand  abzugeben,  so  wurde  das  Enteignungsverfahren ­
  eingeleitet.  Auf  diese  Weise  wurde  auch  das  Haus  zum
grünen  Schild  am  9.  August  1882  dem  Bankhaus  M.  A.  v.  Rothschild ­
  &  Söhne  abgekauft.  Die  Enteignungssumme  betrug  15  250  M.
und  80  Pf. 1
Nur  wenige  Jahre  blieb  das  verwahrloste  Haus  im  Besitze
der  Stadt.  Am  4.  Oktober  1884  waren  die  noch  vorhandenen
Häuser  der  Judengasse  bis  auf  vier  geräumt  und  wurden  von  der
Stadtkämmerei  der  Baudeputation  zum  Abbruch  übergeben.  Das
            
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