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ein treuer Diener des angestammten Fürstenhauses und schlug
deshalb jede Stelle aus, die ihm in dieser Hinsicht Schwierigkeiten
machen konnte. Auch war er weit davon entfernt, die Lage des
Kurfürsten zu seinem Vorteil auszunutzen, er tat eher das Gegen
teil. Von Verfolgungen blieb er sowohl wie Rothschild von jetzt
ab verschont 215 .
Die Rothschild-Legende.
Die Frankfurter sind sehr neugierig und fabelhaft, sagt der
Magister Laukhard. Jedenfalls ist Frankfurt ein guter Boden für
Legendenbildung. Rothschild-Legenden gibt es in großer Zahl und
noch mehr Anekdoten. Sie haben aber nichts zu schaffen in einem
Buch, das auf wissenschaftlichem Wege in die Geschichte des
Hauses Rothschild Wahrheit und Klarheit zu bringen sucht. Nur
die Hauptlegende von der Rettung des kurfürstlichen Vermögens
darf und muß uns hier beschäftigen, weil sie bisher überall, auch
in der Wissenschaft, als historische Wahrheit hingenommen wurde.
Wie die Legende entstehen konnte, ist nach den oben dar
gelegten Tatsachen leicht erklärlich und wird noch dadurch in
helleres Licht gerückt, daß in Altenhaßlau sich eine gleichartige
Legende an den Namen des Geheimen Kriegsrats Buderus von Carls
hausen knüpfte und bis auf den heutigen Tag lebendig blieb.
Meyer Amschel Rothschild und Buderus von Carlshausen genossen
beide das Vertrauen des Kurfürsten bei dessen Finanzangelegen
heiten, beide waren während der Exilzeit bei dessen Vermögens-
Verwaltung und Geldgeschäften wesentlich beteiligt und standen
in brieflichem und persönlichem Verkehr mit ihrem Patron. Und
beide hatten zwar kein Vermögen, wohl aber sonstige wichtige
Objekte vom Kurfürsten in Händen und waren darauf bedacht, sie
aufs sorgfältigste zu bewahren und verborgen zu halten. Nichts
ist daher begreiflicher, als daß an beiden Orten das Gerücht ent
stand, der vertraute Bankier oder der vertraute Finanzbeamte des
Kurfürsten halte sein Vermögen verborgen. In Altenhaßlau soll
der Schatz nach der einen Version im östlich gelegenen, vom Park
des Herrenhauses durch die Straße getrennten Garten, nach der
andern in dem westlich vom Herrenhaus hinter der Wohnung des
Pächters gelegenen sog. Badhause verborgen gewesen sein, und
zwar unter der Treppe 216 . Daß aber in Wirklichkeit von einer