Full text : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

Bergung  von  Schätzen  hier  gar  keine  Rede  sein  kann,  geht  deutlich
aus  Buderus’  Briefwechsel  mit  dem  Kurfürsten  hervor.  Er  hatte
weder  Obligationen  noch  jemals  eine  erhebliche  Summe  baren
Geldes  zur  Verfügung,  und  als  sein  Kassenvorrat,  den  er  aber  von
Rothschild  aufbewahren  ließ,  einst  die  Summe  von  301  960  fl  erreicht
hatte,  bat  er  am  24.  Februar  1812  den  Kurfürsten  dringend,  ihn
möglichst  bald  von  dieser  Bürde  zu  befreien.  Er  hatte  ohne  das
Angst  und  Pein  genug  auszustehen,  da  er  jedes  Stück  Papier,  das
auf  seinen  Finanzverkehr  mit  dem  Kurfürsten  deutete,  versteckt
halten  mußte 217 .  Und  zu  diesem  Zweck  mögen  ihm  allerdings
sowohl  der  Garten  wie  das  Badhaus  auf  Carlshausen  geeignete
Stellen  geboten  haben.
Begreiflicherweise  fand  das  Altenhaßlauer  Gerücht  nicht  die
Verbreitung  wie  das  Frankfurter.  Auch  trat  in  Frankfurt  noch  ein
Ereignis  auf,  das  zur  Befestigung  und  Weiterbildung  der  dortigen
Legende  wesentlich  beitragen  mußte,  die  Haussuchung  bei  Rothschild.
Man  wollte  bei  diesem  Vorgehen  sich  des  Eigentums  des  Kurfürsten
bemächtigen.  Was  lag  da  für  den  Uneingeweihten  näher  als  die
Annahme,  daß  bei  Rothschild  tatsächlich  das  kurfürstliche  Vermögen
oder  ein  Teil  desselben  verborgen  sei.  So  kam  es,  daß  in  Frankfurt
auch  ernste  und  gelehrte  Männer  sich  irreführen  ließen.  Der
Historiker  Fr.  Chr.  Schlosser,  der  von  1800  bis  Ostern  1808  und  von
Ende  1810  bis  1817  in  Frankfurt  lebte,  berichtet  1848  in  seiner
Geschichte  des  18.  und  19.  Jahrhunderts 218  vom  Kurfürsten  von
Hessen:  „Wir  alle,  die  wir  damals  (Oktober  1806)  in  Frankfurt  auf
Preußen  hofften  und  das  Manifest  derselben  [so!]  vortrefflich  fanden,
freuten  uns,  als  ihn  (den  Kurfürsten)  schon  nach  14  Tagen  die
Nemesis  ereilte,  und  bedauerten  nichts  mehr,  als  daß  uns  ein
Pflichtgefühl  verbot,  den  Franzosen  zu  sagen,  daß  sein  übel
erworbenes  Geld  in  Weinfässern  zu  Frankfurt  in  Amschel  Rothschilds ­
  Keller  liege.“  Da  Schlosser  im  Jahre  1817  die  Stadt
Frankfurt  auf  immer  verließ,  so  wird  man  schon  aus  diesem  Grunde
annehmen  dürfen,  daß  die  Legende  vor  jenem  Zeitpunkt  entstanden
war.  Daß  Schlosser  behauptet,  das  Vermögen  sei  in  Weinfässern
verborgen  gewesen,  könnte  der  Vermutung  Raum  geben,  daß  die
Legende  in  dieser  Form  nicht  über  das  Jahr  1809  zurückreicht,
wo  der  Kurfürst  seinem  Oberhofagenten  14  Stück  Wein,  die  aus  dem
Hanauer  Schloßkeller  stammten,  zur  Aufbewahrung  anvertraute 219 .
Sein  Aktendepot  empfing  Rothschild  bereits  in  der  Herbstmesse
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