154
beifügte. Ober den zweiten Artikel vom Jahre 1836 gibt mir
F. A. Brockhaus in Leipzig folgende Auskunft: „Es scheint, daß
der Artikel hier von keinem Spezialmitarbeiter bearbeitet worden
ist. Die Redaktion hat sich vielmehr begnügt, den Artikel der
7. Ausl, an Herrn Baron Karl v. Rothschild in Neapel zur Berich
tigung und Ergänzung zu senden, und dann hat sie etwas später
den Artikel zur Durchsicht an einen Herrn Dr. Schlemmer gesandt,
der damals mit einem jüngeren Baron Rothschild in Leipzig weilte.
Irgendwelche weitere Korrespondenzen mit diesen Herren finden sich
nicht vor, ebenso auch keine Manuskripte. Mit Dr. Schlemmer ist
zweifellos auch mündlich verhandelt worden. Die wesentlichsten
Eingriffe in den Artikel nach den erhaltenen Materialien hat wahr
scheinlich die Redaktion selbst gemacht, insbesondere ist als sicher
anzunehmen, daß sie selbst die Anmerkung in der 7. Auflage durch
Einarbeiten des Inhalts in den laufenden Text beseitigt hat, da im Kon
versations-Lexikon überhaupt Anmerkungen nicht gebräuchlich sind.“
Freiherr Karl von Rothschild in Neapel war derjenige Sohn
Meyer Amschel Rothschilds, der während der Exilzeit fortgesetzt
für den Kurfürsten auf Reisen war. Seine Berichtigungen und Er
gänzungen, falls er wirklich solche zu dem Artikel der 7. Auflage
geliefert hat, müssen die Redaktion des Konversationslexikons wenig
befriedigt haben, sonst hätte man sich nicht noch an den Roth-
schildschen Hofmeister gewandt. Und wie konnte dieser etwas
Tatsächliches zu einer Sache beitragen, über die eingeweihte
Familienglieder keine Auskunft gaben und die man im übrigen nur
aus den Akten hätte ermitteln können.
Tatsache ist, daß Meyer Amschel Rothschild Kisten mit Akten
aus dem kurfürstlichen Archiv eine Zeitlang in seinem Hause auf
bewahrte, daß man im Jahre 1807 oder 1808 sein Haus mit Gewalt
durchsuchte, um sich des kurfürstlichen Eigentums zu bemächtigen,
daß es aber Rothschild gelang, unter Preisgabe eigenen Besitzes
jene Kisten in Sicherheit zu bringen. Die Akten des kurfürst
lichen Archivs wurden in der Legende zum kurfürstlichen Vermögen,
ein gewisser Verlust des Hauses Rothschild wurde zum Verlust
des ganzen Rothschildschen Besitzes. Das Haus Rothschild aber
existierte noch und war groß geworden. Womit hatte es also weiter
gearbeitet? Natürlich mit den geretteten kurfürstlichen Schätzen, was
aber ohne Wissen des Besitzers eine Untreue gewesen wäre. Auch
hierbei mag aber ein Stück Wahrheit ins Publikum durchgesickert