Full text: Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

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beifügte. Ober den zweiten Artikel vom Jahre 1836 gibt mir 
F. A. Brockhaus in Leipzig folgende Auskunft: „Es scheint, daß 
der Artikel hier von keinem Spezialmitarbeiter bearbeitet worden 
ist. Die Redaktion hat sich vielmehr begnügt, den Artikel der 
7. Ausl, an Herrn Baron Karl v. Rothschild in Neapel zur Berich 
tigung und Ergänzung zu senden, und dann hat sie etwas später 
den Artikel zur Durchsicht an einen Herrn Dr. Schlemmer gesandt, 
der damals mit einem jüngeren Baron Rothschild in Leipzig weilte. 
Irgendwelche weitere Korrespondenzen mit diesen Herren finden sich 
nicht vor, ebenso auch keine Manuskripte. Mit Dr. Schlemmer ist 
zweifellos auch mündlich verhandelt worden. Die wesentlichsten 
Eingriffe in den Artikel nach den erhaltenen Materialien hat wahr 
scheinlich die Redaktion selbst gemacht, insbesondere ist als sicher 
anzunehmen, daß sie selbst die Anmerkung in der 7. Auflage durch 
Einarbeiten des Inhalts in den laufenden Text beseitigt hat, da im Kon 
versations-Lexikon überhaupt Anmerkungen nicht gebräuchlich sind.“ 
Freiherr Karl von Rothschild in Neapel war derjenige Sohn 
Meyer Amschel Rothschilds, der während der Exilzeit fortgesetzt 
für den Kurfürsten auf Reisen war. Seine Berichtigungen und Er 
gänzungen, falls er wirklich solche zu dem Artikel der 7. Auflage 
geliefert hat, müssen die Redaktion des Konversationslexikons wenig 
befriedigt haben, sonst hätte man sich nicht noch an den Roth- 
schildschen Hofmeister gewandt. Und wie konnte dieser etwas 
Tatsächliches zu einer Sache beitragen, über die eingeweihte 
Familienglieder keine Auskunft gaben und die man im übrigen nur 
aus den Akten hätte ermitteln können. 
Tatsache ist, daß Meyer Amschel Rothschild Kisten mit Akten 
aus dem kurfürstlichen Archiv eine Zeitlang in seinem Hause auf 
bewahrte, daß man im Jahre 1807 oder 1808 sein Haus mit Gewalt 
durchsuchte, um sich des kurfürstlichen Eigentums zu bemächtigen, 
daß es aber Rothschild gelang, unter Preisgabe eigenen Besitzes 
jene Kisten in Sicherheit zu bringen. Die Akten des kurfürst 
lichen Archivs wurden in der Legende zum kurfürstlichen Vermögen, 
ein gewisser Verlust des Hauses Rothschild wurde zum Verlust 
des ganzen Rothschildschen Besitzes. Das Haus Rothschild aber 
existierte noch und war groß geworden. Womit hatte es also weiter 
gearbeitet? Natürlich mit den geretteten kurfürstlichen Schätzen, was 
aber ohne Wissen des Besitzers eine Untreue gewesen wäre. Auch 
hierbei mag aber ein Stück Wahrheit ins Publikum durchgesickert
	        
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