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15. Juli 1803 den Amschel Mayer Rothschild in Betracht der
ihm bei verschiedenen Gelegenheiten gut und treu geleisteten
Dienste zu seinem Wirklichen Hoffaktor, und mit dieser Charge
waren ebenfalls Freiheiten und Privilegien verbunden. Auch be
stimmte derselbe Fürst am 29. August 1803, daß seinem Hoffaktor
zur Belohnung seiner bisher treu geleisteten und zur Aneiferung
weiterer ersprießlichen Dienste ein Stoß gemischten Holzes aus
den herrschaftlichen Forsten unentgeltlich in seine Behausung ge
führt werde. Am 19. Dezember 1803 ernannte auch der Johanniter
meister Fürst Ignaz den Amschel Mayer Rothschild zu seinem
Hoffaktor und bezog sich dabei auf die Verdienste, die der alte
Rothschild dem deutschen Johanniter-Meistertum geleistet habe.
Es ist anzunehmen, daß diese Verdienste nicht lediglich in der
Bemühung um die oben erwähnte Anleihe des Johanniterordens
bestanden haben (s. S. 47 f.). Die Geldgeschäfte bei der Thurn und
Taxisschen Generalkasse hatten zur Folge, daß am 4. Januar 1804
Fürst Karl Anselm von Thurn und Taxis, Erb- und Postmeister im
Heiligen Römischen Reich, den Amschel Mayer ebenfalls zu seinem
Hoffaktor ernannte, nachdem der Vater darum nachgesucht hatte.
Diese vielfachen Ernennungen wurden natürlich weniger aus
ehrgeizigen als aus geschäftlichen Rücksichten erworben. Sie sollten
als Empfehlungen dienen. Es gab damals ebenso wie heute reelle
und unreelle Geschäftsleute. Der Besitz eines Hoftitels aber bot eine
gewisse Gewähr, daß der Inhaber seine Tüchtigkeit und Redlichkeit
bereits erwiesen hatte. Er konnte sich bei vorkommenden neuen
Gelegenheiten auf seinen Titel berufen, wie Rothschild das in seinen
früheren Jahren gegenüber dem Landgrafen von Hessen tat. Auch
waren die materiellen Erleichterungen, die ein solches Patent dem
Inhaber unter Umständen gewähren konnte, wertvoll genug, um
solche Bemühungen zu rechtfertigen.
Unterm 27. September 1810 wurde der schon mehrfach er
wähnte Gesellschaftsvertrag zwischen Rothschild und seinen Söhnen
Amschel Mayer, Salomon Mayer und Callmann Mayer abgeschlossen,
und die Firma unter der Bezeichnung Mayer Amschel Rothschild
und Söhne weitergeführt, ln demselben Jahre trat das Haus Roth
schild auch in rege Geschäftsverbindung mit der Regierung des
Großherzogtums Frankfurt. Meyer Amschel stand mit dem Fürsten
Primas Karl von Dalberg schon im Jahre 1806 auf bestem Fuß und
erfreute sich seiner besonderen Gnade. Seiner Anregung und fort-