11
161
antraf mit getrösteten und vergnügten Mienen, so wußte man, daß
hier eben der alte Rothschild seinen Durchzug gehalten. Als ich
noch ein kleines Bübchen war und eines Freitags abends mit meinem
Vater durch die Judengasse ging, begegneten wir dem alten Roth
schild, welcher eben aus der Synagoge kam; ich erinnere mich,
daß er, nachdem er mit meinem Vater gesprochen, auch mir einige
liebreiche Worte sagte, und daß er endlich die Hand auf meinen
Kopf legte, um mich zu segnen. Ich bin fest überzeugt, diesem
Rothschildschen Segen verdanke ich es, daß späterhin, obgleich ich
ein deutscher Schriftsteller wurde, doch niemals das bare Geld in
meiner Tasche ganz ausging“ 11315 .
Wo es galt, seinen Mitmenschen zu helfen, da kannte Rothschild
keinen Unterschied zwischen Juden und Christen, zwischen streng
religiösen und freireligiösen Juden. Ja, es kam vor, daß er schüch
ternen freireligiösen Juden ganz besonders hilfreich entgegenkam.
Seine Beziehungen zu den Machthabern gewährten ihm die Mög
lichkeit, auch durch Fürsprache zu nützen. Und wie er als
Geschäftsmann die größte Zähigkeit und Ausdauer betätigte, so
auch als Fürsprecher. Ablehnungen verdrossen und entmutigten
ihn nicht. Wenn eine Sache Unterstützung verdiente, dann brachte
er sie immer wieder von neuem vor, bis man seinem Anliegen
nachgab.
Sein persönliches Auftreten war bescheiden und gewinnend,
auch noch im Alter. Aber freimütig und nicht ohne berechtigtes
Selbstbewußtsein tritt er uns in seinen Briefen entgegen. Er wußte,
daß er andere an Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit übertraf,
daß sein Kredit zur Zeit der größten Geldnot höher stand als der
aller übrigen Frankfurter Bankiers. Auch darf man sich diesen
Kredit nicht so vorstellen, daß er sich lediglich auf die kurfürst
lichen Kapitalien stützte. Dieser Kredit hatte vielmehr eine ganz
breite Grundlage, wie das schon aus dem Verfahren beim Annuitäten
kauf deutlich hervorgeht. Damals hätte Rothschild, trotz der großen
Geldknappheit, dem Kurfürsten vielleicht ähnliche Summen leihen
können, als er von ihm zum Anlegen erhielt. Als der Kurprinz ihn
im Oktober 1809 um 2000 Ldor anborgte, bittet er um Einsendung
eines entsprechenden Wechsels, um prüfen zu können, ob derselbe
in der richtigen Form ausgestellt sei. ln diesem Fall sollten um
kehrend die 2000 Ldor an einen Berliner Korrespondenten zur
Auszahlung gesandt werden. Wenn der Kurprinz sich nach seinem