Full text : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

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antraf  mit  getrösteten  und  vergnügten  Mienen,  so  wußte  man,  daß
hier  eben  der  alte  Rothschild  seinen  Durchzug  gehalten.  Als  ich
noch  ein  kleines  Bübchen  war  und  eines  Freitags  abends  mit  meinem
Vater  durch  die  Judengasse  ging,  begegneten  wir  dem  alten  Rothschild, ­
  welcher  eben  aus  der  Synagoge  kam;  ich  erinnere  mich,
daß  er,  nachdem  er  mit  meinem  Vater  gesprochen,  auch  mir  einige
liebreiche  Worte  sagte,  und  daß  er  endlich  die  Hand  auf  meinen
Kopf  legte,  um  mich  zu  segnen.  Ich  bin  fest  überzeugt,  diesem
Rothschildschen  Segen  verdanke  ich  es,  daß  späterhin,  obgleich  ich
ein  deutscher  Schriftsteller  wurde,  doch  niemals  das  bare  Geld  in
meiner  Tasche  ganz  ausging“ 11315 .
Wo  es  galt,  seinen  Mitmenschen  zu  helfen,  da  kannte  Rothschild
keinen  Unterschied  zwischen  Juden  und  Christen,  zwischen  strengreligiösen ­
  und  freireligiösen  Juden.  Ja,  es  kam  vor,  daß  er  schüchternen ­
  freireligiösen  Juden  ganz  besonders  hilfreich  entgegenkam.
Seine  Beziehungen  zu  den  Machthabern  gewährten  ihm  die  Möglichkeit, ­
  auch  durch  Fürsprache  zu  nützen.  Und  wie  er  als
Geschäftsmann  die  größte  Zähigkeit  und  Ausdauer  betätigte,  so
auch  als  Fürsprecher.  Ablehnungen  verdrossen  und  entmutigten
ihn  nicht.  Wenn  eine  Sache  Unterstützung  verdiente,  dann  brachte
er  sie  immer  wieder  von  neuem  vor,  bis  man  seinem  Anliegen
nachgab.
Sein  persönliches  Auftreten  war  bescheiden  und  gewinnend,
auch  noch  im  Alter.  Aber  freimütig  und  nicht  ohne  berechtigtes
Selbstbewußtsein  tritt  er  uns  in  seinen  Briefen  entgegen.  Er  wußte,
daß  er  andere  an  Zuverlässigkeit  und  Leistungsfähigkeit  übertraf,
daß  sein  Kredit  zur  Zeit  der  größten  Geldnot  höher  stand  als  der
aller  übrigen  Frankfurter  Bankiers.  Auch  darf  man  sich  diesen
Kredit  nicht  so  vorstellen,  daß  er  sich  lediglich  auf  die  kurfürstlichen ­
  Kapitalien  stützte.  Dieser  Kredit  hatte  vielmehr  eine  ganz
breite  Grundlage,  wie  das  schon  aus  dem  Verfahren  beim  Annuitätenkauf ­
  deutlich  hervorgeht.  Damals  hätte  Rothschild,  trotz  der  großen
Geldknappheit,  dem  Kurfürsten  vielleicht  ähnliche  Summen  leihen
können,  als  er  von  ihm  zum  Anlegen  erhielt.  Als  der  Kurprinz  ihn
im  Oktober  1809  um  2000  Ldor  anborgte,  bittet  er  um  Einsendung
eines  entsprechenden  Wechsels,  um  prüfen  zu  können,  ob  derselbe
in  der  richtigen  Form  ausgestellt  sei.  ln  diesem  Fall  sollten  umkehrend ­
  die  2000  Ldor  an  einen  Berliner  Korrespondenten  zur
Auszahlung  gesandt  werden.  Wenn  der  Kurprinz  sich  nach  seinem
            
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