Object: Neuere Zeit (Abt. 2)

Weitere musikalische und literarische übergänge. 339 
Paedagogii zu Ilfeld: „Indem wir die Alten lesen, indem man 
die Sätze auflöset, von ihrem Schmuck entblöset, auf die blose 
logische Enunziation zurückbringt, indem ihr wahres oder schein— 
bares bestimmt wird: lernen wir selbst richtig denken und 
uns richtig ausdrücken.“ 
Diese zunächst sehr bescheidene formale Heranziehung der 
Alten, ursprünglich bei weitem mehr vom aufklärerischen 
Nützlichkeitsprinzipe als von gemütreichen Bedürfnissen höherer 
ästhetischer Forderung ausgehend, trat nun naturgemäß zuerst 
in den Hauptsitzen der Aufklärung ein, in den sächsisch- thü— 
ringischen Ländern, und damit zugleich im Zentrum der lite— 
rarischen und pädagogischen Bewegung seit dem 16. Jahrhundert. 
Hier, in einigen alten gutgehaltenen Gymnasien und in den 
Fürstenschulen Kursachsens, wo sich der Betrieb der klassischen 
Sprachen besser als an vielen Orten sonst erhalten hatte, legte 
man auf diese Studien seit den ersten Jahrzehnten des 
18. Jahrhunderts wiederum mehr Wert; und wir erleben das 
Ergebnis mit, wenn wir Gellert 1734 aus der Fürstenschule 
S. Afra zu Meißen, in die Lessing 1741 eintrat, hervorgehen 
sehen, und wenn wir erfahren, daß Klopstock 1789 in Schul— 
pforte aufgenommen wurde, das die Gebrüder Schlegel 1739 
ind 1741 verließen: eng hängen die erften Vertreter des 
griechischen Einflusses in neuerer Literatur mit diesen Schulen 
zusammen. Neben den Schulen aber begannen sich die Uni— 
versitäten des Landes in gleicher Linie vorwärts zu be— 
vegen, Jena und Leipzig; und auch sie waren dem huma— 
naistischen Betriebe der Wissenschaften niemals gänzlich entzogen 
worden. 
Auf den Hochschulen aber konnte nun für die weitere 
Entwicklung an den bisherigen allgemeinen Verlauf der alt— 
philologischen Wissenschaft namentlich auch in den Nieder— 
landen angeknüpft werden. War die holländische Philologie des 
17. Jahrhunderts in der fast ausschließlichen Hingabe an 
lateinische Studien erstarrt gewesen, so hatte auf, sie seit 
dem zweiten und dritten Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts die 
englische Philologie, damals ganz unter dem Einflusse Bentleys, 
29*
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.