Full text : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

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sich  um  keine  Geschäfte.  Einige  weitere  zuverlässige  Mitteilungen  bieten
die  Bücher  der  Belli-Gontard.  Nachdem  diese  Schriftstellerin  den  Tod  ihrer
Mutter  erzählt  hat,  fährt  sie  folgendermaßen  fort:  „Ich  hatte  den  Garten
geerbt.  Kurz  nachdem  ward  ich  durch  einen  Makler  beinahe  täglich  gepeinigt, ­
  den  Garten  an  Amschel  Rothschild  zu  verkaufen,  dessen  Nachbarn
wir  geworden  waren.  Der  Mann  sagte  mir  sogar,  wenn  Rothschild  seinen
Wunsch  nicht  erfüllt  bekäme,  wäre  er  im  Stande,  in  Geschäften  unserer
Handlung  zu  schaden.  Darauf  ging  ich  sogleich  zu  der  Mutter  Rothschilds,
ich  bat  sie,  mit  ihrem  Sohne  zu  sprechen.  Die  alte  Dame  tadelte  das  Betragen ­
  Rothschilds  und  versprach,  Alles  zu  ordnen;  sie  hielt  redlich  Wort.
Von  da  an  besuchte  ich  sie,  nach  ihrem  Wunsche,  beinahe  jede  Woche,
sie  war  eine  gute,  gescheidte  Frau  und  blieb  ganz  klar  bis  in  ihr  hohes
Alter.  Doctor  Stiebei  war  ihr  Arzt,  sie  hielt  viel  von  ihm.  Einst  klagte  sie
ihm  körperliche  Schwäche,  und  er  antwortete:  Ja,  übe  Frau  Baronin,  jünger
kann  ich  Sie  nicht  machen.  Ach,  antwortete  sie  schnell,  jünger  will  ich  ja
auch  nicht  werden,  aber  älter,  älter  sollen  Sie  mich  machen.“  „Die  alte
Baronin  von  Rothschild  aß  niemals  außer  Hause,  auch  bei  keinem  ihrer
Söhne;  gab  Baron  Amschel  kein  diplomatisches  Mittagessen,  so  erschien
sie  nach  Tische  einige  Zeit  im  Garten,  sie  liebte  dort  spazieren  zu  gehen-Einmal
  tat  sie  es,  von  mir  geführt,  sie  klagte  über  ihre  Gesundheit,  sie
sagte:  Wissen  Sie,  ich  habe  zu  viele  Kinder  gehabt;  schöpft  man  doch  den
tiefsten  Brunnen  aus.  —  Sie  hatte  die  Eigenheit,  ihre  Rechnungen  auf  das
Comptoir  zu  senden,  die  Söhne  mußten  Alles  bezahlen.  Mit  ihrem  Gelde
mochten  diese  aber  auch  speculieren,  sie  gab  nichts  aus;  sie  sparte  stets;
von  den  Söhnen  begehrte  sie  Geschenke,  diese  ließen  ihr  Schmuck  und
Hauben  von  Paris  kommen  von  kostbaren  Spitzen,  und  mit  blaßrothen
Rosen  verziert.  Anders  trug  sie  sie  nicht.  Den  Schmuck  hob  sie  auf,  ohne
etwas  davon  zu  benutzen.“  „Rothschilds  Gattin  starb  am  7.  Mai  1849  beinahe ­
  96  Jahre  alt.  Sie  hatte  ihren  Mann  37  Jahre  überlebt.  Trotz  allem
Glanz  und  Reichtum,  die  sie  umgaben,  blieb  sie  bis  an  ihr  Ende  in  der
Judengasse  wohnen;  sie  war  sehr  wohltätig,  viele  Tränen  geleiteten  sie
zum  Grabe.“  (Belli-Gontard,  Maria.  Lebenserinnerungen,  1872,  S.  238,  283;
Dies.  Leben  in  Frankfurt  a.  M.,  Bd.  10,  1851,  S.  10.)
            
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