Full text : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

11

dafür,  daß  Rothschilds  Antiquitätenhandel  noch  in  die  siebenziger
Jahre  zurückreicht.  Im  Jahre  1778  nämlich  wird  Rothschild  zum
ersten  Mal  in  einem  Handlungsadreßbuch  erwähnt  und  dabei  lediglich ­
  als  Verkäufer  von  „Antiquen,  Medaillen  und  Schaustücken“
bezeichnet 14 .
Aus  alledem  muß  man  schließen,  daß  in  den  siebenziger  und
achtziger  Jahren  der  Münz-,  Medaillen-  und  Antiquitätenhandel,
letzterer  im  engeren  und  noch  heute  üblichen  Sinn,  den  Hauptbetrieb ­
  der  Rothschildschen  Handlung  darstellte  und  das  Wechselgeschäft ­
  weniger  hervortrat.  Auch  in  den  neunziger  Jahren  stand
der  Medaillenhandel  noch  in  Blüte.  Im  Jahre  1796  ließ  Meyer
Amschel  seinen  Knecht  Hirsch  Liebmann  verhaften,  weil  derselbe
verdächtig  war,  u.  a.  über  200  Stück  goldene  und  silberne  Medaillen
gestohlen  zu  haben 15 .  Da  das  allmähliche  Verschwinden  der
betreffenden  Stücke  erst  spät  festgestellt  wurde,  so  muß  man
daraus  den  Schluß  ziehen,  daß  der  Lagerbestand  zu  jener  Zeit
noch  beträchtlich  war.  Auch  dauerte  es  noch  lange,  bis  der
Medaillenhandel  aus  dem  Rothschildschen  Geschäft  völlig  ausgeschieden ­
  wurde.  Für  den  Kurfürsten  wurden  jedenfalls  noch  in
den  ersten  Jahrzehnten  des  19.  Jahrhunderts,  zuletzt  vielleicht
nur  noch  aus  besonderer  Gefälligkeit,  derartige  Geschäfte  zur
Ausführung  gebracht.
Als  nämlich  Rothschild  im  Jahre  1789  nach  längerer  Unterbrechung ­
  sich  dem  hessischen  Landgrafen  wieder  genähert  hatte
und  alsdann  bei  der  Realisierung  englischer  Wechsel  wieder  zugelassen ­
  war,  wurde  er  bald  darauf  auch  zu  Lieferungen  für  das
Medaillenkabinett  von  neuem  herangezogen.  Diese  Lieferungen
beginnen  mit  dem  Jahre  1791  und  dauern  bis  zum  Jahre  1806 16 .
Bei  der  französischen  Okkupation  fiel  das  Medaillenkabinett
des  Kurfürsten  in  die  Hände  der  Franzosen  und  wurde  nach  Paris  gebracht. ­
  Am  19.  April  1807  beauftragte  Wilhelm  I.  seinen  Oberhofagenten ­
  von  Rendsburg  aus,  das  Medaillenkabinett  zurückzukaufen  :
„Wir  versehen  Uns  zu  ihm,  daß  er  bey  diesem  Geschäft  allenthalben
nicht  allein  die  nöthige  Vorsicht  anzuwenden,  sondern  auch  zum
Vortheil  Unseres  Höchsten  Interesse,  diese  Medaillen,  so  billig  als
möglich,  zu  erhandeln  suchen  wird;  höchstens  darf  er  nur  für  die
goldenen  Medaillen  für  jeden  Dukaten  Sechs  Gulden  und  für  die
silbernen  =  für  jedes  Loth  Zwey  Gulden  20  Kreutzer,  beydes  im
24  fl-Fuß,  bezahlen;  welchen  Preis  Wir  ihm,  nach  geschehener
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.