Full text : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

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  Artikel  seines  Handelsbetriebs  ergeben  sich  aus
folgenden  gelegentlich  von  mir  gemachten  Notizen.  Im  Juli  1806
empfängt  er  von  den  Starman  &  Co.  in  London  Assekuranzrechnung ­
  und  Faktura  über  14  Ballen  Kaffee  sowie  6  Kisten  und
3  Seronen  Indigo,  welche  für  seine  Rechnung  mit  dem  Schiffe
Mercurius,  Kapitän  A.  Jacobs,  nach  Hamburg  verladen  waren.  Im
Jahre  1807  kauft  er  in  Hamburg  eine  große  Partie  baumwollener
Waren.  Im  Jahre  1809  macht  er  nachweislich  Geschäfte  in  Zucker
und  Tabak,  im  Jahre  1810  außer  in  Tuch  und  baumwollenen
Tüchern  auch  in  Hasenfellen,  Schafwolle,  Arrak  und  Wein,  meist,
wie  es  scheint,  als  Kommissionär  oder  Spediteur.  Schafwolle  und
makedonische  Baumwolle  gehörten  damals  zu  seinen  Hauptartikeln.
In  dieser  Branche  hatte  er  u.  a.  auch  Geschäftsverbindung  mit
Prager  Häusern,  was  aus  seinem  regen  Verkehr  mit  dem  damals
in  Prag  weilenden  Kurfürsten  leicht  verständlich  wird.
Die  wichtigste  Bezugsquelle  für  Rothschilds  Warenhandel
muß  England  gewesen  sein.  Als  sein  Sohn  Nathan  Mayer  sich
im  Jahre  1798  in  Manchester  eingerichtet  hatte,  entwickelte  sich
zwischen  ihm  und  dem  Frankfurter  Mutterhaus  ein  lebhafter  Verkehr. ­
  Nathan  Mayer  war  nach  Manchester  gegangen,  um  englische
Waren  an  Ort  und  Stelle  einzukaufen.  Er  erzählt  seine  Erlebnisse
von  damals  dem  Sir  Thomas  Powell  Buxton  folgendermaßen:  „Es
war  in  der  Stadt  (Frankfurt)  nicht  genug  Raum  für  uns  alle.  Ich
machte  Geschäfte  in  englischen  Waren.  Ein  Engländer  kam  herüber, ­
  der  den  Markt  ganz  für  sich  hatte;  er  spielte  den  Großen
und  tat,  als  erweise  er  uns  eine  Gnade,  wenn  er  an  uns  verkaufte.
Ich  beleidigte  ihn  auf  irgendeine  Weise;  er  lehnte  es  daher  ab,
mir  seine  Muster  vorzulegen.  Dies  geschah  an  einem  Dienstag.
Ich  sagte  zu  meinem  Vater:  Ich  will  nach  England  gehen.  Ich
konnte  nur  Deutsch  sprechen;  aber  am  Donnerstag  schon  reiste
ich  ab.  Je  näher  ich  England  kam,  desto  wohlfeiler  wurden  die
englischen  Waren.  Als  ich  in  Manchester  angelangt  war,  verwendete ­
  ich  meine  ganze  Barschaft  zu  Einkäufen.  Es  war  ja
alles  so  spottbillig,  und  ich  machte  einen  guten  Profit.  Ich  fand
bald,  daß  bei  dem  ganzen  Geschäfte  ein  dreifacher  Nutzen  gemacht ­
  werde:  am  Rohmaterial,  beim  Färben  und  bei  der  eigentlichen ­
  Fabrikation.  Ich  sagte  zum  Fabrikanten:  Ich  liefere  Dir
Material  und  Farbe  und  Du  lieferst  mir  fertige  Ware.  So  zog  ich
dreifachen  Nutzen  und  konnte  billiger  als  alle  anderen  verkaufen.
            
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