Da Rothschild krank lag, so erstanden seine Söhne Amschel Mayer,
Salomon Mayer und Laioman Mayer mit seinem Einverständnis
den Bauplatz Nr. 1 an der Bornheimer Pforte. Derselbe war 3376
Quadratschuh groß und kostete 9284 fl. Der Kaufbrief des Hohen
Senats wurde am 24. März 1809 ausgefertigt. Aber schon am
15. März hatten die drei Brüder mit den Steigerern des Neben
platzes Nr. 2, David Spanier und dessen Schwiegersohn Mayer
Moses Spanier, einen Kaufvertrag abgeschlossen, wonach diese
ihnen rund 600 angrenzende Quadratschuh ihres Platzes gegen
die bare Summe von 3000 fl 24 ff überließen. Auf dem so ver
größerten Grundstück wurde das noch jetzt stehende Bankgebäude
errichtet. Der alte Rothschild trug ein Viertel der Grund-, Platz- und
Baukosten und schloß am 28. September 1810 mit den drei genannten
Söhnen einen förmlichen Vertrag, wonach die letzteren ihm den
vierten Teil des Hauses als Eigentum einräumten, er selbst aber
seine Quart erb- und eigentümlich, jedoch mit Vorbehalt der väter
lichen lebenslänglichen Oberhand, an seinen Sohn Jakob Mayer
abtrat 27 . Bezogen wurde dieses Haus nicht vor dem Jahre 1812.
Im Jahrgang 1813 des Handlungs-Adreß-Calenders von Frankfurt a. M.
(Franks. Streng) lesen wir den Eintrag: Mayer Amschel Rothschild
und Söhne, an der Bornheimer Straße Nr. 1, in Wechsel,
Spedition und Commission. Im Jahrgang 1811 und 1812 lautet
der Eintrag: Mayer Amschel Rothschild und Söhne, in der Schnur
gasse, L. Nr. 72, in Wechselgeschäften. In den früheren Jahr
gängen dieses Kalenders wird die Firma nicht aufgeführt.
Rothschilds Geldhandel bis 1800.
Wir haben gesehen, daß Rothschild ursprünglich Wechsler
war und mit seinem Geschäft den Münz- und Antiquitätenhandel
verband. Die Gründung des eigentlichen Bankgeschäfts, besser
gesagt Wechselgeschäfts, soll im Jahre 1771 stattgefunden haben,
zwei Jahre nach der Ernennung zum Hessen-Hanauischen Hof
faktor 28 . Es scheint jedoch, daß dieses Datum zu spät angesetzt
ist. Als der Gesellschaftsvertrag vom 27. September 1810 abge
schlossen wurde, versandte M. A. Rothschild an seine Geschäfts
freunde ein gedrucktes Zirkular und bemerkte darin, daß er seine
bereits über 40 Jahre betriebenen Handlungsgeschäfte von jetzt an
in Gesellschaft von dreien seiner Söhne fortzuführen gedenke.