Danach muß man annehmen, daß die Gründung des Bankgeschäfts
spätestens im Jahre 1770 stattfand.
Welcher Art Rothschilds bankmäßige Geschäfte waren, er
fährt man zunächst aus dem Briefe vom Jahre 1789.
Der Landgraf von Hessen hatte Kapitalien in England und
Holland angelegt. Mit Einlösung der Zinsen waren die Bankiers
van Hotten in London und das gleichnamige Haus in Amsterdam
beauftragt. Nur vorübergehend wurde das letztere durch die Firma
van Ghesel & Söhne abgelöst. Das Londoner Haus der van Hotten
nahm auch die Abschlagszahlungen auf englische Subsidien in
Empfang.
Alle diese Gelder gingen in hohen Beträgen ein. Und da
solche Barsummen unverzinslich waren, so hatten die herrschaft
lichen Kassen ein Interesse daran, sie nicht allzu lange in den
Händen der Bankiers zu lassen. Dem Generalkriegskommissariat
lag es ob, die Wechselagenten zu sich zu entbieten und die vom
Landgrafen in Zahlung empfangenen englischen und holländischen
Wechsel an den Meistbietenden loszuschlagen. Wollte man nun
starke Wechselposten gegen sofortige bare Zahlung abgeben, so
drückte die Größe des Objekts und die vorgängige auswärtige
Anschaffung der stipulierten Goldsorten den Kurs hinab; wenigstens
in dem Fall, wo die Abgabe der Wechsel zwischen den Frankfurter
Messen stattfand. Man verfuhr daher in der Weise, daß man die
Wechsel nur in geringen Posten gegen Barzahlung begab, bei
großen Posten aber einen Kredit von mehreren Monaten, meist bis
zur nächsten Frankfurter Messe, gewährte. Es wurden natürlich
nur solche Wechselagenten berücksichtigt, an deren Solidität kein
Zweifel bestand. Minder vermögende, aber im übrigen gute Ab
nehmer hatten eine entsprechende Sicherheit in Obligationen zu
hinterlegen.
Bis zum Jahre 1787 waren sechs Kasseler Firmen bei diesen
Geschäften beteiligt, darunter der gewesene Hofagent Feidel David.
Von Frankfurter Firmen war bis dahin nur der Postmeister Rüppell
berücksichtigt, ein geborener Hesse, aber auch er nur mit kleinen
Posten und auf kurze Frist. Rothschild war nicht unter den Aus
erwählten, er hatte bis dahin mit Kassel überhaupt noch keine
Geschäfte gemacht, sondern nur mit Hanau. Im folgenden Jahre
aber ist er in der Residenz. Er verkauft dem Landgrafen Juwelen
zu ausnehmend billigem Preis, und um ihn einigermaßen schadlos