32
um 60 000 fl erhöht wurde. Unmittelbar vor Abschluß des Vertrags
würde demnach Meyer Amschels Anteil 490 000 fl, derjenige der
beiden ältesten Söhne 250000 fl, also etwas mehr als die Hälfte
von demjenigen des Vaters betragen haben 37 . Übertragen wir dieses
Verhältnis auf das Jahr 1796, so erhalten wir als Totalsumme des
Geschäftsvermögens rund 491 000 fl 24 ff. Da das Rothschildsche
Familienhaupt aber in Geldsachen mit größter Vorsicht zu Werke
ging, so ist eher anzunehmen, daß sein damaliges Gesamtvermögen
die von uns berechnete Summe noch übertraf 38 .
Jedenfalls war das Rothschildsche Geschäftshaus im Jahre 1796
auf eine Basis gestellt, die von derjenigen des Jahres 1785 sich wesent
lich unterschied, ln der Mitte der achtziger Jahre war Meyer Amschel
nur ein wohlhabender Mann, dessen Geschäft hauptsächlich auf
seinen eigenen Schultern ruhte. Ganz anders lagen die Verhältnisse
im Jahre 1796. Nach ihrem Vermögensstand zählte die Familie
Rothschild nunmehr zu den Reichen. In ihrem Geschäft waren außer
dem Gründer noch vier erstklassige Persönlichkeiten tätig, zwei als
Teilhaber, alle von unbedingter Zuverlässigkeit, einige ganz hervor
ragend in spezifisch geschäftlicher Fähigkeit. In dieser Situation
war es ein entschlossenes, aber kein abenteuerliches Unternehmen,
wenn der dritte Sohn Nathan Mayer zwei Jahre später 39 sich von
den Launen des englischen Musterreiters emanzipierte und, ohne
der Landessprache kundig zu sein, selbst nach England ging, um
die Produkte des Landes an Ort und Stelle einzukaufen. Damals
muß das Rothschildsche Gesamtvermögen über eine halbe Million
Gulden betragen haben, und da Nathan Mayer von Haus aus groß
zügiger angelegt war als sein vorsichtiger Vater, so nahm er un
verhältnismäßig viel Geld mit. Seine Summe betrug, wie gesagt,
20 000 £, das sind rund 225000 fl 24 ff. Natürlich hat er die Summe
nicht auf ein Mal mitgenommen, denn so viel Barschaft konnte in
einer rationell geführten Warenhandlung nicht vorhanden sein. Viel
mehr hat er die Summe nach und nach in Raten empfangen und
gleichzeitig durch Warenlieferungen Abzahlungen geleistet. Auch
kann nur ein kleiner Teil von diesem Fonds sein durch Mitarbeit
erübrigtes Kapital ausgemacht haben, jedenfalls nicht mehr als
50 000 fl. Das übrige kam aus dem Geschäftsvermögen der drei
Teilhaber und machte mehr als ein Drittel desselben aus, ein schöner
Beweis für das Vertrauen, welches die älteren Herren auf den jugend
lichen Mitarbeiter setzten. Da dieser nun mit dem ihm anvertrauten