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kasse befänden 87 , auszufolgen, soweit er selbst nicht dabei kompro
mittiert werde, 3. keinerlei weitere Nachforschungen nach derartigen
Nachweisungen anzustellen, 4. die im Bellevueschloß gefundenen
Korrespondenzen durch den Intendanten Lamartilliere [so!] auszu
liefern 88 . Als Lohn für seine Untreue ließ er durch den Bankier
und Legationsrat Jordis aus Frankfurt 800 000 Livres verlangen.
Es sollten damit auch sein Helfer Marteillere und zwei ins Ver
trauen zu ziehende Hehler abgefunden werden. Daß im übrigen sein
Anerbieten reell gemeint war, erkannte nur der Minister von Waitz,
nicht von Baumbach, am wenigsten der mißtrauische Kurfürst. Dieser
bestand bis zuletzt auf einer schriftlichen Versicherung des Gouver
neurs, die dieser aber ablehnte, weil er fürchten mußte, dadurch
kompromittiert zu werden. Es kam dahin, daß die Minister nach und
nach ohne des Kurfürsten Autorisation die Summe von 700000 Livres,
auf die Lagrange seine Forderung ermäßigt hatte, komplettierten,
und der Kurfürst mußte es wohl oder übel genehmigen. Unterm
10. Februar machten ihm die Minister Mitteilung von der ihnen
unumgänglich erschienenen Auszahlung der Restsumme von
300 000 Livres. Der Geh. Rat von der Malsburg überbrachte dem
Kurfürsten persönlich den Bericht. Lagrange hatte inzwischen
konsequenterweise auch dasjenige Zugeständnis gemacht, ohne das
alle seine Versprechungen von fraglichem Wert geblieben wären, daß
nämlich die Zins- und Stückzahlungen der verschwiegenen Kapitalien
nur gegen des Kurfürsten eigene Quittung erfolgen sollten 89 . Das
Verzeichnis über die 11 Millionen Taler wurde vom Geheimen Mi
nisterium neu aufgestellt und dem Gouverneur überreicht. Alle in
den Händen des Gouverneurs befindlichen Schriftstücke wurden
dem Geheimen Kriegsrat Buderus von Carlshausen ausgefolgt.
Damit hatte die Bestechungsaffäre ihren Abschluß erreicht.
Es blieb nur noch übrig, die ausgelieferten Literalien außer Landes
zu schaffen; und hier zum ersten Mal bei dem ganzen Rettungswerk
tritt auch das Haus Rothschild in Tätigkeit. Der Kurfürst hatte
verlangt, daß die ausgelieferten Etats nach Rendsburg gesendet,
die übrigen Literalien dem Antrag der Minister gemäß in Frankfurt
sicher verwahrt werden sollten 90 . Es wurden ihm aber nicht nur
die sog. Etats, sondern auch sonstige aktuelle Dokumente, die von
Wichtigkeit waren, zugeführt. Im April des Jahres 1807 überbrachte
ihm der Archivarius Galland folgende Schriftstücke: Den summa
rischen Extrakt der Einnahmen und Ausgaben bei der Oberrent-