Full text : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

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wahrnahm,  haben  wir  schon  gesehen.  Der  Geheime  Kriegsrat
Buderus  von  Carlshausen,  der,  wie  wir  sahen,  die  Verbergung  des
Vermögens,  der  Wertsachen  und  Archivalien  geleitet  hatte,  und
zunächst  seinem  Herrn  nach  Gottorf  gefolgt  war,  verzichtete  dauernd
auf  französische  und  westfälische  Dienste  und  stellte  sich  seinem
rechtmäßigen  Landesherrn  zur  Verfügung.  Er  befand  sich  während
der  Exilzeit  meist  in  Hanau  oder  auf  seinem  Gut  Carlshausen  bei
Altenhaßlau  in  der  Nähe  von  Gelnhausen.  Der  Bankier  J.  D.  Lawätz
in  Altona,  seit  Februar  1807  auf  seinem  nahegelegenen  Landsitz
Neumühlen,  stand  mit  dem  hessischen  Fürstenhaus  seit  langem  in
geschäftlicher  und  freundschaftlicher  Verbindung.  Er  war  zu  dem
Zeitpunkt,  wo  der  Kurfürst  nach  Schleswig  floh,  gerade  im  Begriff
sein  Geschäft  zu  liquidieren,  ließ  sich  aber  durch  wiederholte  Bitten
bewegen,  seine  trefflichen  Fähigkeiten  weiterhin  in  den  Dienst
des  Kurfürsten  zu  stellen.  Als  Philanthrop  und  Gefühlsmensch  vermochte ­
  er  über  die  Schwächen  des  Fürsten  völlig  hinwegzusehen.
Auch  mit  Buderus  von  Carlshausen  verband  ihn  eine  echte^Freundschaft.
  Seine  Briefe  an  diesen  schrieb  er  alle  eigenhändig,  und
soweit  dieselben  nicht  rein  geschäftliche  Dinge  betreffen,  ist  ihre
Lektüre  ein  angenehmer  Genuß  wegen  ihres  menschlich  anmutenden ­
  Inhalts.  Mit  diesen  Männern  richtete  der  Kurfürst  seine  Vermögensverwaltung ­
  ein.  An  seinem  Domizil,  sowohl  in  Schleswig-Holstein
  wie  zu  Prag,  wurde  eine  sog.  Reservekasse  gebildet,  in
die  alle  dort  eingehenden  Gelder  flössen.  Rechnungsführer  und  Verwalter ­
  von  dieser  Kasse  war  der  Kriegskommissarius  Knatz,  sein
Vorgesetzter  der  Kriegsrat  von  Schmincke.  Eigentlicher  Chef  der
Vermögensverwaltung  und  Hauptrechnungsführer  war  jedoch  der
Geheime  Kriegsrat  Buderus.  Er  hatte  die  drei  anderen  Rechnungsführer ­
  Knatz,  Lawätz  und  Lennep  zu  revidieren,  während  er  seinerseits ­
  direkt  dem  Kurfürsten  verantwortlich  war.  Knatz  verkehrte
mit  ihm  zuweilen  auch  brieflich  durch  Boten  und  schrieb  alsdann
meist  unter  der  Adresse  eines  Barons  von  Waldschmidt.  Er  selbst
bediente  sich  dabei  des  Pseudonyms  Joh.  Weber  und  vermied  es,
seinen  Aufenthaltsort  anzugeben.  Für  „Rothschild“  wird  „Arnold!"
eingesetzt,  für  „Stockskapital“  „Stockfisch“.  Der  Kurfürst  figuriert
in  diesen  Briefen  als  Herr  von  Goldstein  oder  auch  als  Prinzipal
Joh.  Webers,  in  Lawätz’  Briefen  als  Johannes  Adler.  Buderus’
Briefe  an  den  Kurfürsten  gingen,  so  lange  dieser  sich  in  Schleswig-Holstein
  aufhielt,  regelmäßig  unter  Lawätz’  Adresse,  Lawätz’  und
            
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