87
durch ein sehr gewagtes Unternehmen in Sicherheit gebracht zu
haben. Hierbei passierte ihm aber das Mißgeschick, daß von dem
erwähnten Kuponvorrat ein Paket Mecklenburger verschwand, das
auch im Juli 1811 noch nicht wieder aufgefunden war. Lenneps
Gesinnung war treu und bieder. Er hatte zur Beruhigung und
Sicherstellung des Kurfürsten einstweilen auf seine Pension ver
zichtet und außerdem 12 000 fl eigene Staatspapiere als Kaution
eingeschickt. Menschenkenntnis und Klugheit aber waren nicht seine
Stärke. Nach seiner Ansicht war jenes Paket durch Unterschlagung
verschwunden, und er suchte den Verdacht des Kurfürsten auf die
Bankiers Michel Simon und Rothschild zu lenken, besonders auf
letzteren 138 . Das gelang ihm natürlich nicht. Zu dem Pech aber,
das er mit jenem Verlust gehabt hatte, kam noch die Eifersucht
von Buderus. Dieser hatte von der Pike auf gedient und verband
mit seinen höheren finanziellen Fähigkeiten die peinliche Genauig
keit, Pünktlichkeit und ausführende Leistungsfähigkeit des aller
tüchtigsten Subalternbeamten. Wohl empfand er die Vermögens
verwaltung, wie er sie mit Einschluß untergeordneter Manipulationen
auszuführen hatte, als eine Herabsetzung aus seiner früheren höheren
Stellung, und mit Recht. Aber gerade in dieser Situation, wo er
durch die Verhältnisse oft ganz auf seine eigene Person angewiesen
war, kam ihm die einstige Übung in ausführenden Geschäften aufs
beste zu statten. Größere Depots von Wertpapieren oder Geld
in Verwahrung zu nehmen, war nicht seine Sache, dazu war er
viel zu vorsichtig, beinahe ängstlich. Ein Mißgeschick wie das
Lenneps konnte ihm also nicht leicht zustoßen. Bis auf die Politik,
von der er gar nichts verstand, kannte er seine Grenzen ganz
genau und war im übrigen durchaus der Mann, wie der Kurfürst,
der selbst etwas Subalternes an sich hatte, ihn brauchte.
Die ersten Anzeichen einer Verstimmung zwischen Buderus
und Lennep traten im Frühjahr 1807 zutage. Lennep war mit
Simon Rüppell und Louis Harnier beim Kurfürsten in Rendsburg
gewesen, und am 15. März war ihm dort ein Reskript eingehändigt
worden, wonach er die Lombard-Obligationen der vier Bankiers
sich nunmehr vollständig zuliefern lassen sollte, um sie nach Er
ledigung der noch nötigen Austauschungen und sonstigen Vor
kehrungen bei erster sicherer Gelegenheit an den Kurfürsten zu
senden. Letzterer hatte als selbstverständlich angenommen, daß
Buderus von dem Inhalt dieses Reskripts in Kenntnis gesetzt werde.